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Inklusion auf dem Arbeitsmarkt: Verein aus Aachen erkämpft mehr Wertschätzung

Bildung & Berufsleben

Inklusion auf dem Arbeitsmarkt: Verein aus Aachen erkämpft mehr Wertschätzung

Wenn junge Erwachsene mit Handicap die Schule verlassen, werden sie noch immer auf Werkstätten für behinderte Menschen verwiesen. Dort erhalten sie lediglich Taschengelder und bleiben unter sich – Abstellgleis statt Inklusion.

Karin Schütt von AnWert e.V. (links) und die Mitarbeitenden der Tagespflege Am Pannhaus der Katholischen Stiftung Marienhospital Aachen.

Karin Schütt von AnWert e.V. (links) und die Mitarbeitenden der Tagespflege Am Pannhaus der Katholischen Stiftung Marienhospital Aachen. (Foto: Anette Zander)

Fair entlohnte Arbeit, die Möglichkeit der Weiterbildung und ein selbstbestimmtes Leben spielen auch für Menschen mit Behinderung eine wichtige Rolle, sagt Karin Schütt von AnWert e.V. Der Begriff Anwert kommt aus dem österreichischen, bedeutet „Wertschätzung“ und gibt treffend die Grundhaltung des Aachener Dienstleistungsvereins wieder, in dem Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten. Der Verein bietet die sogenannte „Unterstützte Beschäftigung“ an.

Diese Maßnahme der Agentur für Arbeit richtet sich an Menschen mit Behinderung und besonderem Unterstützungsbedarf, die keine Ausbildung machen können. Gerade diese Menschen landen bisher meist unhinterfragt in Werkstätten, auch wenn viele von ihnen dieses Angebot weder wollen noch benötigen. Sie möchten lieber eigenes Geld verdienen, für ihre Leistung anerkannt werden und da arbeiten, wo auch die Menschen ohne Behinderung Arbeit finden: Auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Und Schütt weiß:

„Jeder Mensch, der arbeiten will, ist am richtigen Arbeitsplatz ein wertvoller Mitarbeiter.“

Erfahrungen sind positiv

Beispielhaft dafür sind die Erfahrungen eines AnWert-Kunden mit Down-Syndrom in der Unterstützten Beschäftigung. Im Rahmen der Persönlichen Zukunftsplanung überlegte er zusammen mit Karin Schütt und wichtigen Menschen aus seinem Umfeld, wie er sich seine berufliche Zukunft vorstellte. Schnell war klar: Er wollte nach seiner großteils inklusiven Schulzeit nicht in die Werkstatt für behinderte Menschen. Auch seine Interessen und Fähigkeiten sprachen für einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Mit Unterstützung von AnWert e.V. fand er einen Praktikumsplatz in der Tagespflege „Am Pannhaus“ der Katholischen Stiftung Marienhospital. Die dortigen Angebote reichen von Pflege über gemeinsame Mahlzeiten und Freizeitaktivitäten bis hin zum Hol- und Bringdienst-Service. Der 21-jährige übernimmt hauswirtschaftliche Tätigkeiten, assistiert den Seniorinnen und Senioren beispielsweise beim Essen und unterstützt bei Freizeitangeboten. Diese Arbeit genießt der junge Mann, der gerne anderen Menschen hilft. Gäste und Mitarbeitende schätzen seine Freundlichkeit, Zuverlässigkeit und seinen Humor. Pflegedienstleiterin Sabine Grzondziel bezeichnet ihn als wichtigen Mitarbeiter und gibt zu:

„Wir und unsere Gäste vermissen ihn, wenn er nicht da ist“.

Die Kooperation zwischen AnWert e.V. und der Tagespflege „Am Pannhaus“ erleben alle Beteiligten als sehr positiv. Karin Schütt beschreibt solche Erfolgsgeschichten als Win-win-Situationen: „Unternehmen bekommen zuverlässige, motivierte Mitarbeitende mit hohem sozialen Mehrwert für das Team – Menschen mit Behinderung bekommen eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit, verdienen selbst ihren Lebensunterhalt und erfahren eine unglaubliche Stärkung ihres Selbstwertgefühls“.

Umfassende Betreuung

Unterstützte Beschäftigung dauert in der Regel zwei Jahre. Die Kundinnen und Kunden mit Behinderung stehen dabei mit ihren Wünschen und Bedürfnissen im Mittelpunkt. Sie bekommen individuelle Hilfe, von der Idee bis zum Arbeitsplatz. Das umfasst Berufsorientierung, die Suche nach Praktikums- und Arbeitsplätzen und abwechslungsreiche Projekttage. An einem Tag pro Woche findet in den hellen und ansprechenden Räumen von AnWert e.V. Unterricht statt. An den übrigen vier Tagen wird direkt am Arbeitsplatz gelernt.

Darum kümmern sich eine Mitarbeiterin von AnWert e.V. und ein Pate im Betrieb. Die AnWert-Mitarbeiterin ist oft vor Ort, beobachtet, analysiert, strukturiert, informiert, berät und vermittelt auch gegenüber Vorgesetzten oder Kolleginnen und Kollegen. Und auch bei Fragen, die über die Arbeit hinausgehen, hilft AnWert e.V. kompetent. „Wir haben im sozialen Bereich ein starkes Netzwerk, das für beinahe jedes Problem eine Lösung bietet“, freut sich Karin Schütt. So kann auch leicht weitere Unterstützung organisiert werden, wenn nach dem Ende der Maßnahme Bedarf besteht.

AnWert e.V. will erreichen, dass Menschen mit Behinderung überall präsent sind und ihr Leben so selbstbestimmt wie möglich gestalten können. Im Bereich Arbeit geht es vor allem um das Erschließen von Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Lernschwierigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Da die Unterstützte Beschäftigung eine Maßnahme der Agentur für Arbeit ist, die AnWert e.V. im Rahmen des „Persönlichen Budgets zur Teilhabe am Arbeitsleben“ anbietet, ist der Verein nach AZAV zertifiziert. Neben den Dienstleistungen rund um Arbeit macht AnWert e.V. auch Angebote in den Bereichen Bildung, Freizeit und Leichte Sprache.

Weitere Informationen: https://www.anwert-ac.de/

(RP/PM)

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