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Inklusion in NRW: Eltern fordern verpflichtende Fortbildungen für Lehrer

Gesellschaft & Politik

Inklusion in NRW: Eltern fordern verpflichtende Fortbildungen für Lehrer

Mütter und Väter kämpfen für die Bildungschancen ihrer Kinder mit Behinderung und liefern konstruktive Vorschläge für das inklusive Schulsystem.

Der Vorstand von „Gemeinsam leben, gemeinsam lernen" NRW (v.l.n.r.): Bernd Kochanek, Ingrid Gerber und Michael Baumeister.

Der Vorstand von „Gemeinsam leben, gemeinsam lernen“ NRW (v.l.n.r.): Bernd Kochanek, Ingrid Gerber und Michael Baumeister.

Elternverbände in Nordrhein-Westfalen fordern eine härtere Gangart gegenüber Lehrern, um die Inklusion voranzubringen. Dazu sollen verpflichtende Fortbildungen in den Ferien gehören. „Wenn das Ministerium die Verbesserung inklusiver Bildung will und sich das nicht von allein entwickelt, bedarf es einer stärkeren zentralen Steuerung, zum Beispiel durch gezielte, verpflichtende Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, auch in den Ferien“, sagte Bernd Kochanek, Landesvorsitzender des Verbands „Gemeinsam leben, gemeinsam lernen“, der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

Aus den Schulen, von den Lehrerverbänden und aus dem Ministerium sei zu hören, „dass Fortbildungsangebote nicht flächendeckend angenommen werden und in Teilen inhaltlich am Ziel vorbeigehen“, sagte Kochanek. Insbesondere nutzten die Schulleiter die Angebote nicht konsequent „zur Herstellung inklusiver Unterrichtskompetenz und zur Verankerung von Inklusion im Schulprogramm“. Kochaneks Fazit: „Wir nehmen in vielen Bereichen einen fehlenden Willen wahr, Inklusion umzusetzen.“

Viele Schulen haben kein Konzept

Eva-Maria Thoms, Vorsitzende des Kölner Vereins „Mittendrin“, ergänzte: „Um das ganze Kollegium fortzubilden, müsste man die unterrichtsfreie Zeit nutzen. Ein guter Termin für verpflichtende Inklusionsfortbildungen wäre die letzte Woche der Sommerferien.“ Thoms sagte, nur die Hälfte der inklusiv unterrichtenden weiterführenden Schulen habe überhaupt ein Konzept für den gemeinsamen Unterricht; in vielen Schulen bildeten sich nur einzelne Lehrer fort. „Dann ist es nicht verwunderlich, dass es mit der Qualität der inklusiven Bildung hapert, und deshalb muss es verpflichtende Fortbildungen geben.“

Nach Angaben des Ministeriums entscheiden die Schulen eigenständig „je nach Bedarf vor Ort, welche schulinternen Fortbildungen mit dem gesamten Kollegium oder mit einem Teilkollegium durchgeführt werden“. Das Ministerium erarbeitet derzeit Eckpunkte, wie die Qualität der Inklusion gesteigert werden soll.

(RP/PM)

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7 Kommentare

7 Kommentare

  1. Elisabeth Wirthensohn

    19. Juni 2018 um 12:19

    Leider gibt es Lehrer, die sich einer Umsetzung von Inklusion zu verschließen erscheinen. Wenn Lehrer in Freizeit auch noch Schulungen wuppen sollen, wandern noch mehr Lehrer in andere Bundesländer ab, ist zu befürchten.

    • Ina Degenaar

      22. Juni 2018 um 07:23

      In den Bundesländern, in denen Lehrer Angestellte sind, wird auf die Einhaltung des Jahresurlaubs geachtet. Das heißt: Die Hälfte der Ferienzeit wird für Fortbildungen und Tätigkeiten in der Schule verwendet. Dass Lehrer 12 Wochen pro Jahr frei machen, gibt es nur im Westen.

  2. Daniel Horneber

    20. Juni 2018 um 01:08

    verpflichtende Fortbildung ja aber bitte nich das sie zur Mehrbelastung führt

    • Ingrid Gerber

      21. Juni 2018 um 13:14

      sich fortbilden im Hinblick auf heterogene Klassenzusammensetzungen, Team-Teaching, Binnendifferenzierung um nur einige zu nennen, die im Rahmen inklusiver Bildung hilfreich sein können, werden zwangläufig zu einer Entlastung führen, weil die LehrerInnen dann ein Handwerkszeug erhalten, und das kann nur entlasten.

  3. Andreas Nöbel

    20. Juni 2018 um 06:33

    Inklusion sollte eigentlich selbstverständlich sein und schon längst auf europäischer Ebene Gesetz sein. Es kann nicht sein dass Lehrer und Lehrerinnen diese Inklusion blockieren, da fragt man sich wirklich was diese Lehrer und Lehrerinnen für einen Bildungsstand haben.

    Auch Ausreden mit Mehrbelastung wird immer gern benutzt, wenn man Ausreden an den Tag legen will.

    Wenn man was ehrlich will, dann gibt man der Inklusion von Kindern eine Chance.

    Langfristig wird es wohl darauf hinauslaufen dass man Lehrer und Lehrerinnen bei Weigerung eben zwingen muss, um dass der Bildungsauftrag erfolgreich umgesetzt werden kann.

  4. Don Dirko

    20. Juni 2018 um 18:38

    Ich denke nur von einer Verweigerung der Lehrerschaft zu sprechen wird der Komplexität des Themas nicht gerecht. Es mangelt hier auch gerade an den politisch geschaffenen Rahmenbedingungen. Inklusion, Integration und zunehmende Übernahme von Erziehungsaufgaben sind ohne eine Vielzahl von begleitenden Maßnahmen (Lehrereinstellung, Begleitung durch Sonderpädagogen, geschulte Integrationshelfer) kaum zu stemmen. Dazu kommt der zunehmend grassierende Lehrermangel. Es wird ja auch nicht leichter für die Lehrer, was an einem hohen Anteil an Burn-Outs in dieser Berufssparte sichtbar ist.

  5. Jo Paul-Roemer

    21. Juni 2018 um 14:01

    Auch die immer wieder in NRW hart umkämpfte Schulsozialarbeit muss unter dem Gesichtspunkt Inklusion entwickelt werden. In Wuppertal wurde das völlig vergessen, bzw. bewußt nicht berücksichtigt. Ein Skandal.

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