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Interne Überprüfung enthüllt: Jobcenter helfen behinderten Arbeitslosen zu wenig

Bildung & Berufsleben

Interne Überprüfung enthüllt: Jobcenter helfen behinderten Arbeitslosen zu wenig

Die Betreuung erfolgt „überwiegend nicht zielführend“ – das Bundesarbeitsministerium kündigt an, sich einschalten zu wollen.

Jobcenter werden von ihren internen Prüfern stark kritisiert.  (Foto: dpa)

Jobcenter werden von ihren internen Prüfern stark kritisiert. (Foto: dpa) (Foto: dpa)

Arbeitslose mit dauerhaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen bekommen nach einem Medienbericht von Jobcentern nur unzureichend Hilfe bei der Suche nach Arbeit. Das habe eine interne Überprüfung der Bundesagentur für Arbeit (BA) ergeben, schreiben die Zeitungen der Funke Mediengruppe. Bei der Betreuung der in der Regel behinderten Arbeitslosen und ihrer Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt handelten die Jobcenter „überwiegend nicht zielführend“, heiße es in dem BA-Bericht.

Die Betroffenen erhalten demnach oft „nicht die individuell erforderliche Hilfe“. Die Kommunikation mit ihnen sei „in nahezu allen Fällen unzureichend“, die Abstände zwischen den Gesprächen zu lang. Bei vielen Beschäftigten der Jobcenter sei „das Fachwissen oder das Bewusstsein für die besonderen Belange der behinderten Kunden nicht vorhanden“, schreiben die Prüfer. Leistungen an die dauerhaft erkrankten Menschen würden teilweise zu Unrecht aus Bundesmitteln finanziert.

Maßnahmen angeblich schon ergriffen

Die Prüfungen fanden dem Medienbericht zufolge im Frühjahr dieses Jahres in den Jobcentern in Berlin-Mitte, Unna, Mannheim und Lübeck statt. Es bestehe aber das Risiko, dass bundesweit bei weiteren Jobcentern gleichgelagerte Sachverhalte in nennenswertem Umfang vorkommen können. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium, Anette Kramme, kündigte an, man werde die sich aus dem Revisionsbericht ergebenden notwendigen Schritte nun mit der Bundesagentur erörtern. Das Ministerium stimme dem Befund der Prüfer zu und strebe Änderungen an. Von der BA hieß es: „Maßnahmen, um die beschriebene Situation zu ändern, wurden bereits ergriffen.“

Nach DGB-Angaben nahmen im Juni 2018 bei den Jobcentern 21.500 Arbeitslose an Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation teil – bei insgesamt 1,5 Millionen Arbeitslosen, die von den Jobcentern betreut wurden. In den Agenturen für Arbeit wurden im gleichen Monat 29.600 Arbeitslose in Reha-Maßnahmen gefördert. Insgesamt werden 730.000 Menschen im Bereich der Arbeitslosenversicherung betreut. Sie bekommen bis zu zwölf Monate nach Einsetzen der Arbeitslosigkeit Unterstützung. Berufliche Rehabilitation beinhaltet eine Umorientierung, wenn nach einer längeren Krankheit oder aufgrund einer Behinderung ein Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.

(RP/dpa)

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16 Kommentare

16 Kommentare

  1. Helena Atram

    8. Oktober 2018 um 13:33

    Das ist leider die Praxis vieler Jobcenter. Viele Maßnahmen, deren Einsatz durchaus möglich wäre, kommen bei behinderten Menschen nicht zum Einsatz. Es sollen möglichst viele so schnell wie möglich in die Grundsicherung abgedrängt werden.

  2. Ilka Bischoff

    8. Oktober 2018 um 13:36

    Was für eine Überraschung aber auch… 😜

    • Sabine Hofert

      8. Oktober 2018 um 15:09

      Da sagst Du was Ilka.

  3. Leni Littwin

    8. Oktober 2018 um 13:36

    Überrascht mich auch in keinster Weise. Leider

  4. Elisabeth Wirthensohn

    8. Oktober 2018 um 14:30

    So lange sich jeder Arbeitgeber ab einer bestimmten Betriebsgröße „freikaufen“ kann, steht fest, dass es gesellschaftlich gar nicht gewollt ist von Behinderung betroffene ihren Fähigkeiten entsprechend in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu bringen.

    • Helena Atram

      8. Oktober 2018 um 15:14

      Elisabeth Wirthensohn, das Lamentieren über die Ausgleichsabgabe hilft nur nichts. Die Ausgleichsabgabe ist dafür da, dass die Leistungsträger Zuschüsse an einstellungswillige Arbeitgeber zahlen, wenn aber das Amt nichts tut, dann kann da nichts draus werden. Und schau Dir bitte einmal die Länder an, in denen es keine Ausgleichsabgabe gibt. Ist dort die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung höher? Wenn ja, in welchem Land?

    • Elisabeth Wirthensohn

      8. Oktober 2018 um 15:34

      Helena Atram „Lamentieren“, wie Sie mir das vorhalten hat aber mit Faktern nichts zu tun. Ich habe selbst Jahrzehnte lang als von Behinderung Betroffene sozialversicherungspflichtiges Einkommen gehabt, Lammentieren lass ich mir daher nicht vorwerfen.

  5. Wolfgang Gottschalk

    8. Oktober 2018 um 14:34

    Wenn wundert dass den

  6. Andreas Lindlar

    8. Oktober 2018 um 15:05

    Der Missstand existiert schon verdammt lange da muss man als politisch Verantwortlicher keine Berichte abwarten da muss man nur endlich den Arsch hoch bekommen und den Missstand benden.

  7. Bernard Geiter

    8. Oktober 2018 um 15:57

    Das erstaunt mich jetzt aber…nicht

  8. Stefan Himbert

    8. Oktober 2018 um 16:02

    Das war schon 1989-90 so da bauten sie mir Barrieren.

  9. Sabine Melugin

    8. Oktober 2018 um 16:12

    Na wem genau helfen sie überhaupt?

  10. Ralph von Muehldorfer

    8. Oktober 2018 um 16:32

    Voll zutreffend. Behinderte werden schnell verrentet – dann ist man diesen Ballast los. 2005 wurde bei mir MS diagnostiziert. Ich war nach 6 Monaten EU verrentet.

  11. Kai Dettloff

    8. Oktober 2018 um 19:32

    Ja leider nix Neues, was darf man überhaupt von der größten Behörde Deutschlands erwarten, außer das sie verwalten? Ich habe einige Jahre meine Erfahrung machen können, in meiner Arbeit als Arbeitstrainer für Menschen mit einer geistigen Behinderung, auf dem Weg auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Wenn sich ein Mensch mit einer Behinderung gegen die Werkstatt (WfBM) entschieden hat, im Rahmen des persönlichen Budget für Arbeit, wählte der Klient dann eine UB Unterstütze Beschäftigung. Der Bildungsträger/ wir hatten dann 12 Monate bis zu 24 Monate Zeit durch jobcarving, Arbeitstraining die Klienten zu unterstützung und zu qualifizieren. Die angebahnten Beschäftigungsverhältnisse sind nur durch Koperation mit dem Landschaftsverband LWL und der AA zustande gekommen, da sie diese Fördern / subventionieren. Da ein Arbeitgeber dem Menschen mit Behinderung ja Mindestlohn zahlen muß, der Arbeitgeber aber sagt, das er aber nicht, die Minderleistung zahlen möchte. so kommen dann machmal 3 oder selten 5 oder sogar unbefristete Arbeitsverhältnisse zu stande. Wenn dann nicht neu gefördert wird, ist der behinderte Mensch auch nur ein ganz gewöhnlicher Arbeitsloser. Denn er hat ja die Maßnahme schon in Anspruch genommen, ist aber nicht in der Lage ohne Unterstützung eine Arbeitstrainers oder etc sich mal einfach nen neuen Job zu suchen, bzw müsste neu trainiert/ implemetiert werden..Während der laufenden UB hat der Klient durch uns begleitet Termine beim Rehaberater der sich den Stand der Dinge berichten lässt und den Hut auf hat wenns zum Arbeitsverhältnis kommt. Es liegt noch vieles im Argen ( wenn die AA in die Förderschulen geht um berufliche Orientierung zu bieten und Schüler getestet werden mit HAMET Tests deren Aussagekräftigkeit fragwürdig ist, aber man kann sagen…du kannst was und du nicht. und man hat was zum Abheften u Verwalten…

  12. Ralph von Muehldorfer

    9. Oktober 2018 um 10:16

    Das Arbeitsamt ist eine Behörde zu Verwaltung von Sozialleistungen. Gute Jobs sehen die Mitarbeiter dort wohl nur ganz selten, denn die werden unter der Hand weitergereicht. Sobald etwas frei wird, wissen das schon die anderen Arbeitnehmer dort und haben sofort immer viele Vorschlage aus den eigenen Reihen. Und diese Arbeitnehmer die über Empfehlungen an ihren neuen Arbeitsplatz kamen, werden durch die Kollegen eingearbeitet und geführt, so dass es wahrscheinlich über diese Schiene nur ganz ganz selten Probleme gibt. Warum sollen solche Jobs dem Arbeitsamt gemeldet werden.

  13. Maik Hausdörefr

    9. Oktober 2018 um 14:30

    Wer hätte das gedacht…

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