Kontaktieren Sie uns

Rollingplanet | Portal für Menschen mit Behinderung

Das Aufreger-Thema

JETZT UmDENKEN!

Trotz der UN-Behindertenrechtskonvention geht es nicht voran in der Welt von Menschen mit Behinderung. Ein Kommentar von Angelika Mincke.

Fordert ein UmDENKEN: Angelika Mincke. (Foto: Mincke)

Fordert ein UmDENKEN: Angelika Mincke. (Foto: Mincke)

Der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember ist ein von den Vereinten Nationen ausgerufener Gedenk- und Aktionstag, der das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Probleme von Menschen mit Behinderung wachhalten und den Einsatz für die Würde, Rechte und das Wohlergehen dieser Menschen fördern soll.

Bevor sich Verbände, Institutionen und Politiker an dem heutigen Tage der Selbst-Beweihräucherung hingeben und versichern, dass Menschen mit Behinderung in einer inklusiven Welt leben, möchte ich mich zu Wort melden.

Trotz der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) geht es nicht voran in der Welt von Menschen mit Behinderung. Themen wie Barrierefreiheit, persönliche Mobilität, Gesundheit, Bildung, Beschäftigung, Rehabilitation, Teilhabe am politischen Leben, Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung werden weiter als Nischenthema behandelt. Oder haben Sie schon mal im Wahlkampf prominent von einem dieser Probleme gehört?

Weitere Ausgrenzung statt Inklusion

Die Regierung hat es nicht nur geschafft, die UN-BRK seit der Ratifizierung zu ignorieren, NEIN, sie schafft es auch, durch das am 23. Dezember 2016 in Kraft getretene „eigentliche“ Gesetz zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen, kurz Bundesteilhabegesetz (BTHG), Menschen mit Behinderung weiter auszugrenzen.

Bis heute ist eine Schule für alle („Inklusion“) nicht flächendeckend umgesetzt, und die Barrieren in den Köpfen der Politik, Eltern und Lehrer verhindern, dass Kinder mit anderen Kindern lernen. Leider wird dadurch für die Zukunft ein Selbstverständnis gegenüber Menschen mit Behinderung verhindert. Frei nach dem Motto „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“.

Es sind aber genau die Barrieren im Kopf, die ein alltägliches Selbstverständnis verhindern. Allerdings wird es ohne das Selbstverständnis, dass Menschen mit Behinderung zu unserer Gesellschaft dazugehören und die gleiche Rechte haben, mit einer „inklusiven Gesellschaft“ nicht funktionieren.

Barrieren in den Köpfen

Dabei ist es enorm wichtig, dass in den Köpfen der Menschen ein Umdenken zum Thema Menschen mit Behinderung beginnt. Ohne ein Umdenken wird es nicht möglich sein, eine barrierefreie Welt zu gestalten, denn solange wir Barrierefreiheit als etwas Besonderes und nicht als etwas Selbstverständliches begreifen, kann es nicht funktionieren.

Barrieren in den Köpfen beginnen schon im allgemeinen Sprachgebrauch, zu oft hören bzw. lesen wir von „an den Rollstuhl gefesselt“, von dem „schweren Leid“ oder welches „schwere Schicksal“ Menschen mit Behinderung ertragen müssen – in den Köpfen von nichtbehinderten Menschen entsteht ein Bild von hilflosen Opfern.

Opfer sind wir nur wegen wegen unnötiger Barrieren, die nicht konsequent abgebaut werden – obwohl es möglich wäre: Gehen Sie grundsätzlich davon, dass es in meinem Leben als Rollstuhlfahrerin einer genauen Planung und Organisation bedarf, bevor ich zum Beispiel einkaufe oder mich aufmache zum Kino, Konzert, Restaurant, Friseur, Arzt, Krankenhaus, bevor ich Freunde treffe, öffentliche Verkehrsmittel nutze oder einen Urlaub plane. Unzureichende, nicht nutzbare und nicht vorhandene Barrierefreiheit schränken mich bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ein. Andere Menschen, egal ob es um körperliche, kognitive oder Sinnesbehinderung geht, können keine „normale“ Schule besuchen, keine Ausbildung machen, nicht studieren und finden keine Arbeit.

Weit entfernt

Viele Menschen mit Behinderung müssen ihre Wohnung aufgeben, weil die Pflege nicht gesichert ist oder die Kosten der Pflege nicht übernommen werden, sie werden in Pflegeheime untergebracht. Eltern mit schwerstbehinderten Kindern kämpfen bis zur Erschöpfung, damit ihre Kinder in alternativen, selbstständigen Wohnformen leben können und nicht in Behinderteneinrichtungen.

Wir sind weit entfernt von einer „inklusiven Gesellschaft“, solange die Gesellschaft, die Politik und die Verwaltungen weiterhin eine Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention nicht ernsthaft umsetzt und alle weiter daran glauben, mich trifft es nicht.

JETZT UmDENKEN!

Mehr über Autorin erfahren Sie hier: Querschnittgelähmt und HIV-positiv – aber sie ist der Boss: Angelika Mincke

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

Diesen Beitrag kommentieren

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weiter(sc)rollen – Thema: Das Aufreger-Thema

Neueste Beiträge

Top-Themen

Am häufigsten gelesen

Das Aufreger-Thema

JETZT UmDENKEN!

Von 3. Dezember 2018

Neueste Kommentare

Neuestes Parkplatzschwein

Falsche Behindertenparkplatzfreunde

Wenn ein Behindertenparkplatz vermietet wird…

Von 4. Dezember 2018
Aufzug