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Julia Probst verlässt die Piratenpartei

Für gehörlose und schwerhörige Menschen

Julia Probst verlässt die Piratenpartei

Die gehörlose Aktivistin verkündet ihren Austritt.

Die gehörlose Aktivistin verkündet ihren Austritt.

Julia Probst (Foto: bartjez.cc)

Julia Probst (Foto: bartjez.cc)

Die gehörlose Aktivistin Julia Probst, die im Herbst vergangenen Jahres auf Listenplatz 3 der Piraten in Baden-Württemberg für den Bundestag kandidiert hatte, erklärte unmittelbar nach der Wahlniederlage ihrer Partei: „Piraten waren schon immer Überlebenskünstler. Wir Piraten sind nicht weg vom Fenster oder politisch tot. Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ (Siehe auch auch ROLLINGPLANET-Bericht: Bundestag: Wolfgang Schäuble bleibt ewig, Ilja Seifert ist raus, Julia Probst ist nicht drin).

Wenige Monate ist das her. Probst wird nicht bleiben, jedenfalls nicht bei den Piraten. Per Twitlonger hat sie ihren Parteiaustritt erklärt:

Warum ich aus der #Piratenpartei austrete

So, habe gerade ein Schreiben aufgesetzt. Abgeschickt wird es wohl nach dem außerordentlichen Bundesparteitag der Piraten. #Piraten

Bin erst jetzt über den Tweet von Julia Schramm (@laprintemps) gestolpert, wo sie das Recht der Frau auf Abtreibung bis zum 9. Monat fordert ohne Zwangsberatung. Irgendwie ist das völlig an mir vorbeigegangen.

Viele Frauen machen Spätabtreibung aus Angst vor einem behinderten Kind – das ist Fakt. Zwangsberatungen haben schon ihren Sinn und kann den betroffenen Frauen sehr wohl helfen bei ihrer Entscheidungsfindung. Es gibt diverse Fälle von Frauen, die nach einer Abtreibung depressiv werden aufgrund des schlechten Gewissen wegen der Abtreibung.

Das heißt nicht, dass ich gegen Abtreibung bin. Ich bin für das Recht der Frauen auf Abtreibung und auf umfassende Aufklärung bei einer Abtreibung. Eine Abtreibung hat im geschützten Raum und unter professionellen ärztlichen Bedingungen stattzufinden. Frauen haben selbstverständlich darauf ein Recht auf vollste Unterstützung, wenn sie sich für eine Abtreibung entscheiden. Keine Frau ist ein Monster, weil sie eine Abtreibung haben will.

Es sind eher die Umstände in der Gesellschaft, die eine Frau, die laut Diagnose ein behindertes Kind zur Welt bringen wird, an eine Abtreibung denken lassen und auch durchführen lassen. Aber das ist ein anderes Thema.

Einer Partei, die Spätabtreibungen ohne Zwangsberatung unterstützt und fordert, kann und will ich als Mensch mit Behinderung nicht länger angehören.
Bye, Bye Piraten.

(Es tut mir übrigens leid um die Idee der Piraten und um die vielen guten Menschen darin, die ich sehr schätze. Aber es ist leichter für #Barrierefreiheit und #Inklusion zu kämpfen als eine Partei wie die der Piraten, wo verschiedene heftige Faktoren zusammenkommen, von innen zu ändern. Das ist eine Mammutaufgabe, der ich mich nicht gewachsen fühle.)

(ag)

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6 Kommentare

6 Kommentare

  1. Sozial Umdenken

    23. Juni 2014 um 12:19

    GETEILT !

  2. Carsten Oltrogge

    23. Juni 2014 um 12:24

    geteilt!

  3. Clay

    23. Juni 2014 um 14:36

    Hallo Julia,
    Frau Schramm ist nicht die Piratenpartei und auch schon lange nicht mehr Sprachrohr der Piraten.
    Der zweite Punkt, den du angegeben hattest war, dass „Oberpiraten“ dich gleich nieder machen würden auf Grund deiner Aussagen. Mit Oberpiraten meintest du Klaus Peukert, der schon längere Zeit kein Pirat mehr ist. Es bleibt also nichts übrig, was zu einem Austritt nötigen würde. Seltsame Meinungen gibt es in jeder Gemeinschaft. Da können sich die Piraten leider nicht ausnehmen. Die Thesen von Frau Schramm sind aber nicht mehrheitsfähig in der Piratenpartei, und darauf kommt es an. Bitte überdenke deinen Austritt noch einmal. Es kommt einem arg so vor, als wenn du für dich nur einen Vorwand suchst, um einer Partei den Rücken zu kehren, die im Moment zu kämpfen hat.

    Viele Grüße

    Clay

  4. Angelika

    23. Juni 2014 um 16:32

    Die Frage die sich mir stellt „Wird irgendein Mensch mit Behinderung es merken das Frau Probst nicht mehr der Piraten Partei zugehört ?“ Meine Antwort NEIN; also warum so ein Aufstand

  5. Flo

    25. Juni 2014 um 01:37

    Manchmal verstehe ich nicht, warum Ihre Redaktion sich immer auf bestimmte Person wie Julia Probst fokussiert. Hier wurde schon bereits etwa 40 Artikel von und über Julia Probst berichtet worden. Um Welten viel mehr als die anderen hörgeschädigten Personen.

    Die meisten Gehörlosen empfinden es ihr besonders zu laut.

    Es gibt andere gehörlose Aktivisten, die klüger agieren als sie.

  6. Frank

    26. Januar 2016 um 11:09

    Ich finde es auch schade. Nur man muss hier auch klarstellen: die Einzelmeinung einer ca. im März 2014 ausgetretenen Piratin ist nicht Meinung der Piraten. Auch nicht, wenn ein Vorstandsmitglied mit nickt.

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