Kontaktieren Sie uns

Rollingplanet | Portal für Menschen mit Behinderung

Kompakt: Absage nach Bewerbung – wann liegt eine Diskriminierung vor?

Bildung & Berufsleben

Kompakt: Absage nach Bewerbung – wann liegt eine Diskriminierung vor?

Aus aktuellem Anlass: Die drei wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Thema. Von Lea Sibbel

Aus aktuellem Anlass: Die drei wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Thema. Von Lea Sibbel

Lebenslauf eingereicht und dann abgelehnt worden? Wann ist der Tatbestand der Diskriminierung erfüllt? (Foto:  I-vista  / pixelio.de)

Lebenslauf eingereicht und dann abgelehnt worden? Wann ist der Tatbestand der Diskriminierung erfüllt? (Foto: I-vista / pixelio.de)

Bookmark-100ROLLINGPLANET KOMPAKT: Auf einen Blick – alle wichtigen Infos zu einem aktuellen Thema

Viele Bewerber machen lange Gesichter, wenn sie eine Absage bekommen. Nennt der Arbeitgeber Gründe, ist längst nicht jeder davon in Ordnung. Aber wann ist ein Ablehnungsgrund rechtmäßig und wann diskriminierend? Das ist häufig gar nicht so einfach zu entscheiden. Aktuell verhandelte das Bundesarbeitsgericht über einen entsprechenden Fall. Dort hatte eine Frau geklagt, weil sie mit 161,5 Zentimetern die für die Pilotenausbildung der Lufthansa verlangte Mindestgröße von 1,65 Metern nicht erreichte. (Der Prozess endete mit einem Vergleich, Europas größte Fluggesellschaft zahlt 14.175 Euro an die junge Frau, die 135.000 Euro Entschädigung verlangt hatte.)

Alina S. fehlen 3,5 Zentimeter, um Pilotin zu werden (Foto: Oliver Berg/dpa)

Alina S. fehlen 3,5 Zentimeter, um Pilotin zu werden (Foto: Oliver Berg/dpa)

1. Was ist verboten?
Im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sind Kriterien festgelegt, wegen derer Arbeitnehmer nicht benachteiligt werden dürfen, erklärt Prof. Stefan Lunk von der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Dazu zählen: Rasse und ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion und Weltanschauung, Alter, Behinderung sowie sexuelle Identität. Diese Kriterien aus dem Paragraf 1 AGG zählen zur unmittelbaren Diskriminierung: Lehnt ein Arbeitgeber aus einem dieser Gründe einen Bewerber ab, ist das grundsätzlich nicht erlaubt. „Zu körperlichen Voraussetzungen steht da nichts drin“, sagt Lunk – außer im Zusammenhang mit dem Kriterium Behinderung.
2. Und was ist erlaubt?
Hier wird es schwieriger. So kann es etwa zulässig sein, Bewerber anders als in den Kriterien vorgesehen abzulehnen, wenn mit der Tätigkeit eine entscheidende berufliche Anforderung einhergeht – das regelt Paragraf 8 des AGG. Das müsse dann aber im Einzelfall geprüft werden, sagt Lunk. Ein Beispiel: Ein Rollstuhlfahrer bewirbt sich bei der Polizei. Laut Paragraf 1 darf er wegen seiner Behinderung nicht benachteiligt werden. Möchte er allerdings zum Beispiel in der Hundertschaft eingesetzt werden, könnte er eventuell entscheidende Anforderungen dieser Tätigkeit nicht erfüllen. Im Innendienst hingegen könnte er womöglich doch eingesetzt werden. Es gilt also, zu prüfen, ob ein sachlicher Grund besteht, dass ein Bewerber für eine bestimmte Tätigkeit nicht infrage kommt.
3. Was kann ich machen, wenn ich aus einem Grund abgelehnt werde, der nicht erlaubt ist?
Der Betroffene hat zwei Möglichkeiten, sagt Lunk. Er kann Schadenersatz fordern oder eine angemessene Entschädigung – oder beides. Schadenersatz zu fordern heißt, dass man einen konkreten, bezifferbaren Schaden nennen kann. Das ist aber häufig nicht leicht zu berechnen, erklärt Lunk. Wie kann man schon genau sagen, wie groß der finanzielle Schaden ist, wenn man einen Job nicht bekommt? Daher gibt es Möglichkeit 2: Der Arbeitnehmer fordert eine Entschädigung, ohne einen genauen Schaden zu beziffern. Aber: „Es gibt keinen Anspruch darauf, sich einzuklagen“, stellt Lunk auch klar. Das heißt, der abgelehnte Bewerber hat keinen Anspruch darauf, durch die Klage beschäftigt zu werden.
Und: Es liegt am Arbeitnehmer, zu beweisen, dass er benachteiligt wurde. Gegebenenfalls reichen dafür aber Indizien aus, die auf eine Diskriminierung schließen lassen. Das wäre etwa der Fall, wenn der Arbeitgeber öffentlich mitteilt, eine ausgeschriebene Position lieber mit einem jungen, dynamischen Bewerber besetzen zu wollen – ältere Bewerber sind dann nämlich benachteiligt. Liegt so ein Indiz vor, dreht sich die Beweislast um: Nun muss der Arbeitgeber beweisen, dass er den Bewerber nicht benachteiligt hat.

(dpa/tmn)

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

Diesen Beitrag kommentieren

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weiter(sc)rollen – Thema: Bildung & Berufsleben

Wir machen ROLLINGPLANET:

Neueste Beiträge

Top-Themen

Das Aufreger-Thema

Eine(r) von uns

Kristina Vogel bei der Verleihung der "Sport Bild"-Awards in Hamburg.

Eine(r) von uns

„Geht raus, traut euch!“

Von 21. August 2019

Gesellschaft & Politik

Am häufigsten gelesen

Neueste Kommentare

Aufzug