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Kompakt: Ärztlich begleitete Reisen

Gesundheit & Medizin

Kompakt: Ärztlich begleitete Reisen

Exotik ist schön und gut – solange man im fremden Land nicht krank wird. Für viele ist die Sorge darüber so groß, dass sie die Fernreise lieber nicht machen. 11 Fragen & Antworten.

Exotik ist schön und gut – solange man im fremden Land nicht krank wird. Für viele ist die Sorge darüber so groß, dass sie die Fernreise lieber nicht machen. 11 Fragen & Antworten. Von Karin Willen

Sicherheitsgefühl inklusive: Der Arzt fliegt mit (Foto: Shutterstock)

Sicherheitsgefühl inklusive: Der Arzt fliegt mit (Foto: Shutterstock)

Bookmark-100ROLLINGPLANET KOMPAKT: Auf einen Blick – alle wichtigen Infos zu einem aktuellen Thema

Mexiko oder Indien wären schön – solange Montezumas Rache nicht zuschlägt. Oder in Nepal die Höhenkrankheit. Bedenken solcher Art halten viele von Fernreisen ab. Dabei gibt es mittlerweile Angebote, die genau diese Angst nehmen sollen (siehe auch ROLLINGPLANET-Bericht: Urlaub? Nur mit Doc im Gepäck!). Die 11 wichtigsten Fragen und Antworten zu ärztlich begleiteten Reisen .

1. Was bietet diese Urlaubsform?
Das Prinzip ist einfach: Ein Arzt begleitet die Gruppe vom Abflug bis zur Rückkehr und ist während der Rundreise rund um die Uhr für Fragen da. „Meine Anwesenheit dient auch dem Sicherheitsgefühl“, beschreibt Inge de Bary ihre Rolle. Die Allgemeinmedizinerin ist eine von 400 Ärzten, die beim Marktführer Tour Vital aus Köln unter Vertrag sind.
2. Welche Qualifikation hat der Arzt?
Die in Deutschland approbierten Allgemeinmediziner sind reisemedizinisch fortgebildet und nehmen jährlich an Auffrischungsschulungen teil. Manche schließen für die Reisezeit ihre Praxis, andere werden erst im Ruhestand ärztliche Reisebegleiter.
3. Ist die Anwesenheit eines Arztes das einzige Unterscheidungsmerkmal?
Nein, ist es nicht. Die Veranstalter achten auch auf Nonstop-Flüge, wählen ruhige, komfortable Hotels und planen Erholungsphasen ein, berichten die Veranstalter.
„Ärztlich begleitete Rundreisen sind quasi entschleunigte Rundreisen“, sagt Nina Meyer von der TUI-Tochter Berge & Meer. Reiseveranstalter Mediplus versorgt die Gäste etwa auch mit einer World Medical Card, auf der die gesundheitsrelevante Daten des Gastes in 13 Sprachen notiert sind.
4. Ersetzt der Arzt die reisemedizinische Beratung?
Nein. Im Vorfeld muss sich jeder selber etwa acht Wochen vor der Reise um reisemedizinische Beratung und mögliche Impfungen kümmern, damit genügend Zeit für den Aufbau eines Impfschutzes bleibt. Auch eine Auslandskrankenversicherung sollte man abgeschlossen haben.
5. Was leistet der Arzt konkret?
Der Arzt macht sich vor der Reise ein Bild, mit welchen gesundheitlichen Problemen im Urlaubsland zu rechnen ist. Er gibt Rat bei medizinischen Fragen. Außerdem hat er immer Mittel gegen Blessuren, kleinere Erkrankungen und für die Notversorgung dabei.
„Manchmal bin ich auch einfach nur ein weiterer Reiseleiter, oder die Leute wollen von mir eine Zweitmeinung“, erzählt Dr. Inge de Bary. Bei schwereren Erkrankungen oder Unfällen begleitet der Arzt den Patienten zum lokalen Kollegen oder ins Krankenhaus. Denn nach einer Notversorgung muss er jenen Ärzten das Feld überlassen, die eine nationale Zulassung haben. „Aber er ist natürlich weiter Vertrauensperson und, ganz wichtig im fremden Land, deutschsprachig“, sagt Dertour-Pressesprecherin Katharina Hanke.
6. Nutzen nur Senioren solche Angebote?
Studiosus gibt 70 plus als Zielgruppe für diese Reisen an. Die anderen Anbieter richten sich an die sogenannten Best Ager und jene, die zwar von exotischen Zielen träumen, aber um ihre Gesundheit im Urlaubsland fürchten. Der Altersdurchschnitt liegt bei etwa 60 Jahren. „Unsere Gäste sind fit und mobil, nur einfach etwas vorsichtiger als andere“, fasst Hans Ende von Tour Vital zusammen.
Die Veranstalter beobachten derzeit aber auch ein verstärktes Interesse von Berufstätigen: „Viele, speziell Führungskräfte, können es sich nicht erlauben, krank aus dem Urlaub heimzukommen“, erklärt Daniel Stahnke von Mediplus.
7. Für wen sind ärztlich begleitete Reisen also das Richtige?
Für Urlauber, die sich einfach wohler fühlen, wenn ein Arzt dabei ist: Wer mögliche Strapazen des Fluges, der Zeitumstellung, des fremden Klimas oder Essens fürchtet, ist hier gut aufgehoben.
8. Für wen eignet sich diese Urlaubsform nicht?
Den Koffer sollte man selber rollen können, gut zu Fuß sein und eventuelle chronische Erkrankung gut im Griff haben. Eingeschränkte Beweglichkeit oder ein erst kürzlich eingesetzter Herzschrittmacher können bei einigen Veranstaltern Ausschlusskriterien sein. Und Orte mit Höhenklima sind zum Beispiel für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein Wagnis.
Ärztlich begleitetes Reisen sollte nicht missverstanden werden als Urlaubsform für schwer chronisch Kranke, Menschen mit starker Behinderung und Pflegebedürftige. Solche Erkrankungen fordern intensivere Betreuung, worauf sich Anbieter wie die Caritas, das DRK oder der AWO
Reisedienst spezialisiert haben.
9. Wohin gehen die Reisen?
Exotik in der Ferne ist Trumpf bei dieser Reiseform, Vietnam, Kambodscha und Indien sind besonders gefragt, außerdem geht es zum Beispiel nach Äthiopien, China, Myanmar oder Südafrika. Europäische Ziele sind aber durchaus auch vertreten.
10. Was sind die Extrakosten für diese Urlaubsform?
Die Reisekosten des Arztes werden auf die Teilnehmer umgelegt, für Beratung und Behandlung fallen keine Kosten an, die eigenen notwendigen Medikamente müssen selber mitgeführt werden. Der Mehrpreis für das Sicherheitsgefühl beim Abenteuer beläuft sich für die Reiseteilnehmer je nach Reiseziel und Veranstalter pro Tag auf etwa 10 bis 20 Euro.
11. Wer veranstaltet ärztlich begleitete Reisen?
Berge & Meer
Mediplus
Tour Vital
Studiosus
– Die Dertour-Reisen mit Dr. Holiday sind nur im Reisebüro, nicht übers Internet einsehbar oder buchbar

(RP/dpa/tmn)

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