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Kompakt: Hypnose in der Medizin

Gesundheit & Medizin

Kompakt: Hypnose in der Medizin

Kein fauler Zauber – Tausende Ärzte wenden Hypnotherapie bei Zahnbehandlungen oder Schlaf- und Sexualstörungen an. Manchmal merken es die Patienten nicht einmal.

Kein fauler Zauber – Tausende Ärzte wenden Hypnotherapie bei Zahnbehandlungen oder Schlaf- und Sexualstörungen an. Manchmal merken es die Patienten nicht einmal. Von Doreen Fiedler

Hypnose in der Medizin: Alles andere als Hokuspokus. (Foto: Modern Vector Art | Art Print Edition, Bernd Wachtmeister/pixelio.de)

Hypnose in der Medizin: Alles andere als Hokuspokus. (Foto:
Modern Vector Art | Art Print Edition, Bernd Wachtmeister/pixelio.de)

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Fettsucht und Migräne. Immer mehr Mediziner, Psychologen und weitere Experten gehen mit Hypnose gegen solche Leiden vor. Bekannt ist der Einsatz der Hypnose gegen Schmerzen beim Zahnarzt. Aber auch bei Verhaltensstörungen soll die Therapieform helfen. 7 Fragen und Antworten.

1. Welche Irrtümer gibt es?
„Hypnose ist nicht das, was sich die meisten Menschen darunter vorstellen“, sagt Götz Renartz, Präsident der Deutsche Gesellschaft für Autosystemhypnose (DGSH). Es komme keine Schlange Kaa mit marmorierten Augen, die die Menschen verzaubere. Auch Pendel würden kaum verwendet – nicht weil es damit nicht funktioniere, sondern weil zu viel Esoterik damit verbunden sei. Um jemanden in die Hypnose zu versetzten, spricht der Arzt nur langsam und leiernd.
2. Wie viele Ärzte bieten Hypnose an?
Tausende Hypnotherapeuten sind in Deutschland organisiert. Dazu gehören viele Zahnärzte und Psychotherapeuten, aber auch Chirurgen und Unfallmediziner. Hinzu kommen Logopäden, Heilpraktiker und Hebammen. Mehrere Monate dauert die berufsbegleitende Ausbildung bis zum Zertifikat. „Es hypnotisieren mehr, als die meisten Menschen wissen“, sagt Bernhard Trenkle, Mitglied im Vorstand der International Society of Hypnosis (ISH). Eine Hypnose-Ausbildung ist nicht Teil des Basis-Curriculums der ärztlichen Studiengänge.
3. Ist Hypnotherapie wirklich wissenschaftlich?
Seit 2006 ist sie vom wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie in einigen Feldern anerkannt, etwa bei der Raucherentwöhnung. Mittlerweile umfasst die Liste der Krankheiten und Leiden, die empirisch belegt so wirksam behandelt werden können, unter anderem Operationsschmerzen, Geburtsschmerzen, Migräne, Phobien, Übergewicht sowie Schlaf- und Sexualstörungen. Nicht empfohlen wird Hypnotherapie bei akuten Psychosen und schweren Persönlichkeitsstörungen.
4. Ist Hypnose wie Meditation?
Beides sind bewusstseinsverändernde Zustände. Bei der Meditation aber wird der Einfluss der Umwelt auf das Ich möglichst ausgeschaltet, eine Leere erzeugt. Bei einer Hypnose fühlt sich der Mensch in sein Inneres vor und spaltet dort den Schmerz oder die Angst ab. Weil der Fokus ganz auf einem inneren Bild liegt – zum Beispiel auf einem Segelboot in der Sonne schaukeln oder entspannt im Tiefschnee den Hang hinabfahren –, können störende Reize ausgeblendet werden.
5. Können Patienten gegen ihren Willen hypnotisiert werden?
Nein. Der Patient muss mitarbeiten. „Er muss den inneren Heiler finden“, sagt DGSH-Präsident Renartz. Die hypnotisierenden Ärzte und Therapeuten sind der Ansicht, dass die Patienten viele körperliche und seelische Probleme aus sich heraus behandeln können, mit ihren Selbstheilungskräften. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung gelten allerdings wissenschaftlich als nicht hypnotisierbar – bei diesen Menschen klappt es einfach nicht.
6. Wo setzen entsprechende Zahnärzte die Hypnotherapie ein?
Bei den Zahnärzten gibt es nicht nur die Hypnose am Stuhl, etwa zur Schmerzlinderung beim Ziehen von Weisheitszähnen. „Die hypnotische Kommunikation kommt in jede Behandlung mit rein, ohne dass es der Patient bewusst mitbekommt“, sagt Thomas Wolf, Präsident der DGZH. Schon vom ersten Anruf werde den Patienten vermittelt, dass die Praxis ein sicherer Raum sei, sie keine Angst haben müssten und sich dort wohlfühlen könnten.
7. Wie findet man einen Hypnose-Arzt?
Wichtig ist eine fundierte medizinische Grundausbildung. „Wenn jemand hochschwanger ist, ist eine Hebamme ohne hypnotherapeutische Ausbildung besser als ein Hypnotherapeut, der keine Ahnung von Entbindungen hat“, sagt Trenkle von der ISH. Mit Vorsicht zu genießen seien auch Ärzte, die meinen, alle Krankheiten behandeln zu können. „Ich zum Beispiel bin auf Stottertherapie spezialisiert und mache fast nur das“, sagt er. Zahlreiche wissenschaftlich fundierte deutschsprachige Hypnose-Gesellschaften haben das Portal www.hypnose.de eingerichtet. Auf den Webseiten der Gesellschaften finden sich dann Ärzteverzeichnisse.

(dpa)

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