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Kompakt: Noch eine Behinderung – Internet-Sucht

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Kompakt: Noch eine Behinderung – Internet-Sucht

Digital Junkies: In Deutschland sind einige hunderttausend Menschen betroffen. Tendenz steigend. 5 wichtige Fragen & Antworten. Von Anja Sokolow und Andrej Sokolow

Digital Junkies: In Deutschland sind einige hunderttausend Menschen betroffen. Tendenz steigend. 5 wichtige Fragen & Antworten. Von Anja Sokolow und Andrej Sokolow

Wenn das Netz wichtiger ist als das reale Leben: Digital Junkies sind echt behindert. (Foto: Shutterstock)

Wenn das Netz wichtiger ist als das reale Leben: Digital Junkies sind echt behindert. (Foto: Shutterstock)

Bookmark-100ROLLINGPLANET KOMPAKT: Auf einen Blick – alle wichtigen Infos zu einem aktuellen Thema

Das Bild vom Internet-Junkie, der von Fast Food lebt und sich selbst vernachlässigt, ist nicht nur ein Klischee. Experten beobachten die körperliche Verwahrlosung immer wieder. Auch andere Lebensbereiche sind betroffen.

In Deutschland gelten einige hunderttausend Menschen als internetsüchtig. Aus Expertensicht ist die Tendenz steigend. Junge
Betroffene vernachlässigen oft soziale Kontakte, die Ausbildung und zum Teil auch ihren Körper.

1. Gibt es körperliche Anzeichen für eine Internet-Sucht?
Internetabhängige vernachlässigen den eigenen Körper häufig. „Manche verwahrlosen vor dem Computer regelrecht, sind übergewichtig, manchmal auch untergewichtig, leiden unter Lichtmangel, haben Augenprobleme oder Sehnenscheidenentzündungen vom vielen Spielen“, sagt der Arzt, Psychotherapeut und Autor Bert te Wildt („Digital Junkies“) von der Bochumer Ambulanz für Internetabhängige.
2. Welche Lebensbereiche leiden noch unter der Sucht?
Auch der soziale Bereich wird oft vernachlässigt. „Echte Freundschaften gehen zu Bruch und Partnerschaften haben viele Betroffene oft noch gar nicht erlebt“, so der Arzt te Wildt. Zudem mache sich Abhängigkeit auch bei den Leistungen bemerkbar. Viele Betroffene gehen kaum noch zur Schule, zur Ausbildung oder vermasseln das Studium. „Anfangs sind sie insgeheim sogar froh darüber, dass alles andere kaputt geht, dann können sie dem Netz nämlich 24 Stunden zur Verfügung stehen.“
3. Was können frühe Anzeichen von Internet-Sucht sein?
In den USA hat die American Psychiatric Association neun Abhängigkeits-Merkmale formuliert, auf die das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf verweist. Dazu gehören gedankliche Vereinnahmung, Entzugserscheinungen, Kontrollverlust und ein Weitermachen trotz negativer Konsequenzen.
Das Zentrum nennt als Warnsignale auch immer kürzere Abstände zwischen der Internet-Nutzung sowie launische oder aggressive Reaktionen, wenn ein Jugendlicher keinen Zugang zum Netz habe.
4. Wer ist betroffen?
Die Sucht manifestiert sich Forschern zufolge häufig im Alter von 14- bis 24 Jahren. Betroffen sind vor allem junge Männer. 2011 kam eine Studie zu dem Ergebnis, dass in Deutschland etwa 1,5 Prozent der 14- bis 64-Jährigen internetsüchtig sind. Bert te Wildt rechnet mit einer steigenden Tendenz, auch bei Mädchen und jungen Frauen, die vor allem von sozialen Netzwerken abhängig würden. Zugleich wird weiterhin darüber gestritten, ob eine Internet-Abhängigkeit als eigenständige Krankheit zu qualifizieren ist.
5. Wie wird eine Sucht behandelt?
Internetsüchtige werden oft ambulant und in verhaltenstherapeutischen Gruppentherapien behandelt. Zunehmend gibt es auch Ansätze, Jugendliche auch stationär aufzunehmen und ihnen zu helfen, sich im realen Leben zurechtzufinden. Ein Beispiel dafür ist „Auxilium Reloaded“, ein Heim für Medienabhängige in Dortmund.
Zuhause abrupt den Stecker zu ziehen, wenn man meine, das Kind habe lang genug vor dem Rechner gesessen, sei keine gute Lösung, warnt zugleich der Geschäftsführer des Gesamtverbandes für Suchthilfe, Theo Wessel. Das erzeuge nur unangenehme Situationen. „Eltern sollten versuchen, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen und Zeiträume für die Internetnutzung vereinbaren.“

(dpa)

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1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Bernd Martin Rohde

    1. Dezember 2015 um 01:22

    Warum gilt das als Behinderung und nicht als Krankheit?

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