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Krankenhaus lehnt Behandlung eines mehrfach Schwerbehinderten ab

Gesundheit & Medizin

Krankenhaus lehnt Behandlung eines mehrfach Schwerbehinderten ab

Vorfall in Sachsen, der keine Ausnahme ist: Bundesweit gibt es mehrere derartige Skandale.

(Foto: Shutterstock)

(Symbolfoto: Shutterstock)

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, hat den Gesetzgeber aufgefordert, Behinderten notwendige Behandlungen in Krankenhäusern zu ermöglichen. Das MDR-Magazin „Exakt“ hatte dem Beauftragten den Fall eines mehrfach Behinderten in Sachsen-Anhalt vorgelegt, dem trotz dringend notwendiger Behandlung die Aufnahme ins Krankenhaus verweigert wurde.

„Es ist Aufgabe des Staates, Recht zu schaffen, auf das sich Menschen mit Behinderung berufen können und das sie notfalls auch durchsetzen können. Hier sehe ich deutlichen Handlungsbedarf“, so Jürgen Dusel gegenüber „Exakt“. Für ihn könnten gute Assistenz und Betreuung die Lösung für solche Fälle sein.

Im von „Exakt“ recherchierten Fall hatte sich das Bein eines 55-jährigen mehrfach behinderten Mannes stark entzündet. Ein Krankenhaus verweigerte aber die Aufnahme des Patienten, da für dessen Betreuung eine Begleitperson erforderlich ist. Unklar war, wer die Personalkosten trägt, wenn ein Mitarbeiter der Einrichtung, in der der Behinderte untergebracht ist, die Begleitung übernimmt.

Streit um die Kostenübernahme

Krankenkasse und Sozialamt wollten diese Kosten nicht übernehmen. Diese unklare Zuständigkeit kritisierte der Behindertenbeauftragte nun und forderte Bundesregierung, Länder, Städte und Gemeinden auf, Lösungen für solche Fälle zu finden.

Dass es bundesweit Probleme mit der Unterbringung behinderter Patienten in Krankenhäusern gibt, bestätigte die Diakonie Deutschland gegenüber „MDR-Exakt“. Dringende Krankenhausbehandlungen würden aufgeschoben, weil es häufig keine Betreuung für Klinikaufenthalte von Erwachsenen mit Behinderungen gäbe. In Deutschland leben rund 7,8 Millionen Menschen mit Schwerbehinderungen – das sind rund 10 Prozent der Gesamtbevölkerung.

(RP/PM)

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11 Kommentare

11 Comments

  1. Britta Banowski

    24. April 2019 um 16:07

    Das kann ich seit Jahren bestätigen, denn seit mein Mann nicht mehr laufen und selbst zur Toilette kommen kann wird nur noch das nötigste gemacht, aber mobilisiert nie und Untersuchungen werden auch nach Druck nicht durchgeführt

  2. Heike Spanger

    24. April 2019 um 16:18

    ich wäre gerne auch manchmal Mäuschen wie das mit unseren schwer dementen Senioren aussieht die in unseren Seniorenheimen leben. Menschen die ständig schreien oder wenn sie können weglaufen oder das Essen gereicht bekommen müssen oder,oder,oder

  3. Andreas Klimkeit

    24. April 2019 um 16:32

    Das ist einfach Sowas von erbärmlich und der moralische Kollaps Deutschlands …

  4. Barbara Maus

    24. April 2019 um 17:55

    Ich habe schon Schwierigkeiten, ins „richtige“ Krankenhaus und ins geeignete Bett zu kommen, obwohl ich keine Assistenz und Betreuung brauche und geistig fit bin. Aber mit Querschnitt und zahlreichen Einschränkungen braucht man eben mehr Pflege und Hilfe, was das Personal im Standardkrankenhaus erst mal vor Probleme stellt. Im Februar war ich in Herne ein paar Tage im Krankenhaus und hatte großes Glück. Es hat alles geklappt, wie ich mir das dachte: Großes Zimmer, zwar 3er, aber egal, mit Platz für Rollstuhlfahrer, barrierefreies Bad und nette Schwestern. Aber das Haus ist auch mit Millionenaufwand renoviert. In einer „Bruchbude“ mit engstirnigen Schwestern und einem einfachen Bett ist es mal gründlich daneben gegangen, Dekubitus am Gesäß und vier Monate Behandlung auf einer Spezialstation für Querschnittsgelähmte. Da wollte ich sofort hin, aber ich musste ins nächstgelegene, weil ich ja nur eine Entzündung am Bein (Erysipel) hatte, hat mit der Behinderung ja nix zu tun. Au weia! Die Krankenhäuser müssen sensibilisiert werden, dass jeder Mensch mit Behinderung spezielle Bedürfnisse hat, daran hapert es gewaltig. 2003, Oberschenkelbruch nach einem Sturz. Dorfkrankenhaus, wieder keine Wahlmöglichkeit, war doch der Meinung, mir zwei U-Gehstützen zu geben, dass ich das gebrochene Bein in die Luft halten und mit dem anderen laufen kann… Gut, ich konnte damals noch ein paar Schritte laufen, aber in dem Zustand?! Ich habe alle ausgelacht und sie zur Nachschulung aufgefordert, was bei Spina Bifida alles nicht funktioniert, und wenn dann noch ein Beinbruch dazukommt…

  5. Martina Glapiak

    24. April 2019 um 17:57

    Ich empfinde die Schlagzeile als etwas ungünstig formuliert, impliziert sie doch ein schuldhaftes Verhalten des Krankenhauses… es liegt aber nicht in der Verantwortung eines Krankenhauses, eine externe Betreuungsperson 24/7 für einen Schwerbehinderten zu finanzieren. Und mit dem eigenen Personal kann kein Krankenhaus die Betreuung für einen mehrfach Schwerbehinderten sicherstellen. Das Problem liegt hier doch eindeutig in mangelnden rechtlichen Grundlagen, was die Kostenübernahme für solche Dinge durch Krankenkasse oder öffentliche Ämter anbelangt. Genau dort, im gesetzlichen Bereich, müssen die entsprechenden Möglichkeiten geschaffen werden.

  6. Claudia Pokorny

    24. April 2019 um 18:16

    Nachdem wir ja im ganzen Gesundheits- und Sozialwesen mittlerweile gewinnorientiert versorgt werden, sieht man ja deutlich, dass in diesen Bereichen, das System an der Wurzel faul ist. Gesundheit und Soziales ist keine Kosten/ Nutzenfrage, wird aber so behandelt. Traurig.

  7. Sabine Wende

    24. April 2019 um 20:07

    Ich habe bisher immer meinen behinderten erwachsenen Sohn im Krankenhaus Tag und Nacht begleiten können. Wurde von der Kasse übernommen. Es wurde sich immer bemüht uns zu helfen

  8. Maik Tetonka Wolff

    24. April 2019 um 21:28

    Es ist der reine Wahnsinn. Was zur Zeit abgeht.
    Hab zur Zeit dieses nur noch auf Lager.
    Es gibt keine Worte mehr für so viel Dummheit. Nur eines. Wenn Dummheit quietschen würde, würden so einige Menschen mit einer oelkanne herumlaufen.
    Und dann dass das hier noch, alle Gerichte auch oberste Gerichte, sollten solche Leute mindesten 2 Jahre auf dem Rollstuhl dazu was alles gehört, dazu verdonnern.

  9. Dorothea Isserstedt

    25. April 2019 um 07:18

    Das höre ,lese ich zum ersten mal. Für Männe oder meine behinderten Bekannten gab es nie Probleme mit der Behandlung im Krankenhaus. Kommt wohl immer auf den Einzelfall drauf an. Und manchmal fühlt sich wohl das krankenhauspersonal einfach überfordert, weil sie kaum Erfahrung haben mit solchen Menschen. Daher dann die Ablehnung……versicherungs und haftungsfragen mögen noch dazu kommen.

  10. Eva Scherf

    25. April 2019 um 16:05

    Das ist in Österreich dasselbe Problem 😫

  11. Annika

    25. April 2019 um 16:56

    Wenn die Aufnahme des Mannes nebst Begleitperson für den erhalt seiner Gesundheit nötig ist so sind die Kranken Häuser verpflichtet Hilfe zu leisten.
    Das hiesige Gesundheitssystem ist verpflichtet Hilfe zu leisten und wenn notwendig die Kosten über das Sozialamt abzurechnen.

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