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LIGA Selbstvertretung: Überarbeitete DIVI-Empfehlungen im Kern nichts Neues

Gesundheit & Medizin

LIGA Selbstvertretung: Überarbeitete DIVI-Empfehlungen im Kern nichts Neues

Textlich schwächte die Vereinigung die Leitlinie ab, wertete dafür aber die fragwürdige Gebrechlichkeitsskala immens auf.

Die DIVI-Empfehlungen legen bei einer Triage fest, welche Patienten bevorzugt behandelt werden. Die Kritik von Behindertenverbänden wächst.

Die DIVI-Empfehlungen legen bei einer Triage fest, welche Patienten bevorzugt behandelt werden. Die Kritik von Behindertenverbänden wächst. (Foto: Shutterstock)

Die gerade veröffentlichte 2. Version der Empfehlungen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zur Zuteilung von Ressourcen in der COVID-19-Pandemie wirkt nach Ansicht von Dr. Sigrid Arnade, Sprecherin der LIGA Selbstvertretung, auf den ersten Blick besser als der ursprüngliche Aufschlag. An den wesentlichen Aussagen habe sich jedoch nichts geändert.

„Wenn zudem die DIVI etwa zeitgleich empfiehlt, die menschenrechtlich mehr als fragwürdige Gebrechlichkeitsskala in ihrer deutschen Übersetzung auf jeder Intensivstation und Notaufnahme als DIN-A-2-Plakat auszuhängen, so konterkariert das jede wohlklingende Prosa in den Empfehlungen“,

stellt Arnade fest.

Heftige Kritik an Kriterien

Mehrere medizinische Fachgesellschaften hatten Ende März Empfehlungen zur Zuteilung eventuell knapper Ressourcen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie veröffentlicht. Etliche Behindertenorganisationen, aber auch das Deutsche Institut für Menschenrechte, hatten in ihren Stellungnahmen unter anderem die fehlende menschenrechtliche Fundierung kritisiert.

„In den neuen Empfehlungen heißt es jetzt, dass eine Priorisierung nicht aufgrund bestimmter Grunderkrankungen oder Behinderungen erfolgen darf“, erläutert Arnade und ärgert sich: „Gleichzeitig wird aber die unsägliche Gebrechlichkeitsskala übersetzt und mit der Empfehlung zum großformatigen Aushang aufgewertet, statt sie in die Tonne zu treten.“ Die darauf gezeigten Bilder von Menschen mit Stock, mit Rollator, im Rollstuhl mit Assistenz tragen nach Arnades Ansicht zu einer Bewusstseinsbildung in die falsche Richtung bei.

„Die Verfasser der DIVI-Empfehlungen betonen zwar, bei der Gebrechlichkeitsskala handele es sich nur um eines von vielen Kriterien, gleichzeitig werten sie dieses Instrument aber zur dominierenden Entscheidungshilfe auf“,

so Arnade.

Es sei vielmehr notwendig, sich von dieser Skala zu verabschieden und in einem interdisziplinären Prozess ein menschenrechtlich fundiertes zeitgemäßes Instrument zu entwickeln. Das könne laut Arnade geschehen, wenn die akute Corona-Gefährdung gebannt sei. „Heute fordere ich die DIVI auf, ihre Empfehlung zum Aushang der Gebrechlichkeitsskala zurückzunehmen und damit der leicht verbesserten Prosa Taten folgen zu lassen,“ so die LIGA-Sprecherin.

(PM/RP)

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