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Markus Rehm: Wenn einer fast über das Ziel hinaus schießt

Berlin

Markus Rehm: Wenn einer fast über das Ziel hinaus schießt

Weltrekord bei der Para-Leichtathletik-EM in Berlin. Seit 2011 ist er jetzt ungeschlagen – doch die Konkurrenz aus dem eigenen Team wächst.

Markus Rehm freut sich über Gold. (Archivfoto: Paralympics 2016 in Rio, ZDF)

Markus Rehm freut sich über Gold. (Archivfoto: Paralympics 2016 in Rio, ZDF)

Nach seinem Flug zur neuen Rekordweite fiel Ausnahme-Weitspringer Markus Rehm seiner Trainerin Steffi Nerius freudestrahlend in die Arme. Nach einer innigen Umarmung ließ sich der 30-Jährige bei den Para-Europameisterschaften der Leichtathleten in Berlin mit der Deutschland-Fahne um den Hals von den Fans feiern. „Es war schwierig heute. Aber Weltrekord vor der Heimkulisse mit ganz vielen Freunden und Familie ist ein Traum. Das ist sehr emotional“, sagte der Leverkusener am Samstag, nachdem er im letzten Versuch mit der Weltrekordweite von 8,48 Meter seinen vierten EM-Titel im Weitsprung gewonnen hatte. Rehm wäre fast zum Zu-weit-Sprung-Europameister geworden: Er traf das Brett perfekt und segelte so weit durch die Luft, dass er nach der Landung aus der Sprunggrube herausrollte. Das deutsche Top-Ergebnis rundete Rehms Vereinskollege Felix Streng ab, der als Zweiter mit 7,71 Meter persönliche Bestleistung sprang.

Vor kurzem hatte der zweifache Paralympics-Sieger Rehm fern der Heimat in Japan mit 8,47 Meter einen Weltrekord aufgestellt und es erst gar nicht gemerkt. Es sprachen ja alle nur japanisch, hatte der Orthopädie-Techniker erzählt. Jetzt wusste Rehm sofort Bescheid. „Ich wusste, dass wenn ich das Brett treffe, es weit gehen kann“, sagte Rehm, der wie seine Konkurrenten den schwierigen Bedingungen mit Regenschauern und starkem Wind trotzte. Prothesenspringer Rehm, dem nach einem Wakeboard-Unfall 2003 der rechte Unterschenkel amputiert werden musste, ist damit seit 2011 bei allen Großereignissen ungeschlagen.

Felix Streng – der Sieger der Zukunft?

Doch ob das bis zu seinem noch nicht feststehenden Karriereende so bleibt, ist offen. Denn mit 200-Meter-Sprintchampion Streng, mit dem Rehm bereits Gold in der 4×100-Meter-Staffel gewonnen hatte, kommt Konkurrenz aus dem eigenen Lager. „Ich rechne mit Felix und irgendwann wird er mir dicht auf den Fersen sein und mich vielleicht schlagen. Die nächste Generation kommt. Und das ist auch ok so“, sagte Rehm.

Streng, der ohne rechten Unterschenkel zur Welt kam, freute sich riesig über Silber. Zumal sein Hauptaugenmerk auf dem Sprint liegt. „Mir fehlt noch ein bisschen das Absprunggefühl. Daran werden wir arbeiten und ich glaube, dann wird es auf jeden Fall immer, immer enger“, sagte der 23-Jährige, der nun zum Abschluss am Sonntag über die 100 Meter seine vierte EM-Medaille holen will.

Lindy Ave gewann mit Silber über 100 Meter ihre bereits vierte Medaille. Die 20-Jährige der HSG Uni Greifswald, die an einer leichten Spastik leidet, hatte zuvor schon Gold über 400 Meter sowie Silber im Weitsprung und über 200 Meter gewonnen. Zudem holte Thomas Ulbricht im Weitsprung in seiner Startklasse Bronze (6,43 Meter).

Damit haben die Deutschen vor dem Finale am Sonntag 36 Medaillen geholt, davon elf Mal Gold, 17 Mal Silber und acht Mal Bronze.

(dpa)

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