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Nicht ohne meinen Bruder

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Nicht ohne meinen Bruder

Die bewegende Geschichte von Kyle und Brent Pease – und andere ergreifende Momente vom 40. Ironman Hawaii. Von Jens Marx

Die Brüder Brent  (l.) und Kent Pease (r.) sind Ironmen. (Foto: Screenshot/IWN)

Die Brüder Brent (l.) und Kent Pease (r.) sind Ironmen. (Foto: Screenshot/IWN)

Ironman („eiserner Mensch“), Weltmeisterschaft, Hawaii. Ort für starke Gefühle. Nicht nur beim neuen triumphalen Rekordzeit-Gewinner Patrick Lange. Bei dem Triathlon über 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen spielt sich so manches persönliches Drama ab. Es dennoch ins Ziel zu schaffen, ist das Happy End der sogenannten Finisher. Hier sind einige kleine und große Höhepunkte des Jubiläumswettbewerbs.

Bewegende Brüder

Es sind die ganz besonderen Momente eines besonderen Rennens. Kyle und Brent Pease sind Brüder aus den USA. Sie haben dieses Rennen zusammen bestritten, sie wollten zeigen, dass nichts unmöglich ist. Denn Kyle sitzt im Rollstuhl, Beine und Arme sind stark eingeschränkt. Er wurde mit einer Zerebralparese geboren. Als sein Bruder 2010 Brent in Louisville erstmals einen Ironman bestritt, kam auch bei Kyle der Wunsch, das zu schaffen. Sie packten es gemeinsam. Sogar bis zur WM, bis Hawaii. 14:29:00 Stunden brauchten Kyle und Brent, jeder Moment war einer für die Ewigkeit.

Der erste Ironman

Gordon Haller wird der erste Ironman bleiben. Vor 40 Jahren gewann er das erste Rennen über die Distanz. Der ehemalige Taxifahrer wollte es nun noch einmal wissen und ging in der Altersklasse 65 bis 69 an den Start. Auf der Laufstrecke war das Rennen diesmal aber vorzeitig für den 68-jährigen Amerikaner beendet.

Ergreifende Rückkehr

Tim Don waren Stolz und Rührung anzumerken. „Ich bin einfach nur glücklich, über die Ziellinie gekommen zu sein“, sagte der 40 Jahre alte Brite. Vor einem Jahr brach er sich bei einem Radunfall drei Tage vor dem Ironman auf Hawaii das Genick. Sechs Monate später startete er beim Boston-Marathon, über seine Ironman-Starts in Hamburg und Kopenhagen sicherte sich Don das Ticket, nachdem er die Quali zunächst verpasst hatte. Im Ziel von Kona breitete er die Arme aus und schaute in den Himmel: „Ein Bild, das mehr sagt als 1000 Worte“, sagte er. „Meinem Nacken geht es gut“, versicherte Don. 8:45:17 Stunden benötigte er.

Feuerquallen-Angriff

Diese Begegnung hätte Serien-Siegerin Daniela Ryf fast den Titel gekostet. Aber auch für sie war Aufgeben keine Alternative. Zwei Minuten vor dem Startschuss durch eine kleine Kanone hatte die Schweizern eine der unangenehmsten Begegnungen vor Hawaii: Feuerquallen. Unter den Armen wurde sie berührt. Es seien die schmerzvollsten Schwimmkilometer gewesen, erzählte Ryf, die rund zehn Minuten nach der Spitze mit schmerzverzerrtem Gesicht in die Wechselzone kam. In Radrekordzeit holte sie auf, übernahm die Führung und machte letztlich ihren vierten Hawaii-Sieg nacheinander perfekt.

Superstar als TV-Experte

Jan Frodeno war dann doch mit dabei. Der 37 Jahre alte zweimalige Champion, der wegen einer Stressfraktur in der Hüfte von wenigen Wochen seinen Start hatte absagen müssen, lieferte dem Sender ZDF als Experte Eindrücke direkt vom Streckenrand. Und kündigte dabei auch schon mal den Angriff auf den Thron von Kona im nächsten Jahr an.

Weltmeister-Manager als Rekordschwimmer

Jan Sibbersen hat es schon öfter probiert. Diesmal hat es geklappt. Bis zum Ziel waren es für den 43 Jahre alten Manager von Zweifach-Weltmeister Patrick Lange noch über 222 Kilometer, den Jubel ließ sich der ehemalige Profi nicht nehmen. Der Coburger kraulte in 46:30 Minuten durch den Pazifik und blieb damit elf Sekunden unter der 20 Jahre alten Bestmarke des Amerikaners Lars Jorgensen. Für die komplette Distanz brauchte Sibbersen 10:37:33 Stunden.

Ironman mit Herz

Der Berliner André Graff erfüllte sich mit 56 Jahren nicht nur einen Traum, er sammelte mit seinem Start bei der WM auch noch Geld für Kinder. Bei seiner Spendenaktion kamen bis Sonntagvormittag über 3500 Euro zusammen. Angetrieben von eigenen zwölfköpfigen Fanclub kam Graff in 11:15:59 ins Ziel und wurde in seiner Altersklasse 57.

Jüngster Deutsche mit Problemen

Tim Rose wollte in die Top Ten der Altersklasse 18 bis 24. Der 21 Jahre alte Nachwuchsmann aus dem nordrhein-westfälischen Scherfelde wurde 31. von 41 – er war wenige Tage vorher krank geworden. „Musste mich am Rad und beim Laufen mehrmals übergeben und in Folge dessen hat mein Magen dann zugemacht“, erklärte Rose. Der Lauf sei eher zum Wandertag geworden. 11:04:06 Stunden hatte er insgesamt gebraucht.

(RP/dpa)

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