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Nur 21 Kinder mit Behinderung: Die Inklusionsquote an Gymnasien in Baden-Württemberg liegt bei gerade einmal 0,3 Prozent

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Nur 21 Kinder mit Behinderung: Die Inklusionsquote an Gymnasien in Baden-Württemberg liegt bei gerade einmal 0,3 Prozent

Außerdem: Der Mann, der für die Würde Behinderter kämpft +++ Locked-in-Syndrom +++ Pflegeausbildungsverordnung +++ Idioten der Familie +++ Rollstuhlbasketball Continental Clash 2018 +++ Vater schüttelte sein Baby blind

Kirsten Erhardt mit ihrem behinderten Sohn Henri (Archivfoto von September 2013: dpa)

Kirsten Erhardt mit ihrem behinderten Sohn Henri (Archivfoto von September 2013: dpa)

Die Landesarbeitsgemeinschaft Baden-Württemberg „Gemeinsam leben – gemeinsam lernen“ begrüßt es ausdrücklich, dass das Bremer Gericht die Klage einer Gymnasial-Direktorin – sie möchte keine geistig behinderte Schüler – abweisen will. „Aber heute wurde noch einmal klargestellt: Gymnasien sind keine inklusionsfreie Zone!“, betont die Landesarbeitsgemeinschaft in einer Mitteilung: „Der Gesetzgeber hat entschieden – und eine einzelne Schule kann inklusiven Unterricht deshalb nicht ablehnen. Genauso ist es!“

Auch in Baden-Württemberg ist Inklusion Aufgabe aller Schulen und Schularten. So sieht es das Schulgesetz vor. „Was die Gymnasien angeht, ist aber auch in Baden-Württemberg noch ein riesengroßer Nachholebedarf“, darauf weist Kirsten Ehrhardt, LAG-Projektleiterin „Inklusionsbeobachtung und -begleitung in Baden-Württemberg“, hin. Die Inklusionsquote an Gymnasien in Baden-Württemberg liegt ihren Angaben zufolge bei 0,3 Prozent. Das waren im Schuljahr 2016/17 nur 21 Kinder mit Behinderung: Und kein einziges (!) lernt auch in diesem Schuljahr ,zieldifferent‘, also mit anderen Bildungszielen, weil es lernbehindert oder geistig behindert ist, an einem öffentlichen oder privaten Gymansium in Baden-Württemberg,“ so Ehrhardt.

„Natürlich könnten auch bei uns Schulämter auf Gymnasien zugehen, um dort inklusive Gruppen zu platzieren“, betont Ehrhardt, „das passiert aber in der Praxis so gut wie nie oder die Idee wird schon im Keim erstickt.“ Das „Höchste der Gefühle“ sei eine Handvoll ausgelagerte Sonderschulklassen, die aber manchmal nur die Pausen, Projekte und Freizeitaktionen gemeinsam mit den Gymnasiasten verbringen dürften: „Manchmal nicht einmal das. ,Gemeinsamen Unterricht‘ oder gar Inklusion kann man das nicht nennen“, so die LAG BW GLGL. (RP/PM)

Bundesverdienstkreuz für Dr. Michael Wunder

Dr. Michael Wunder und Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard. (Foto: Evangelische Stiftung Alsterdorf)

Dr. Michael Wunder und Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard. (Foto: Evangelische Stiftung Alsterdorf)

Für seinen herausragenden Einsatz für die Würde von Menschen mit Behinderung und Krankheit erhielt in Hamburg Dr. Michael Wunder aus der Hand von Dr. Melanie Leonhard das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.

Hamburgs Sozialsenatorin würdigte in ihrer Laudatio das jahrzehntelange Engagement Wunders im Rahmen der Aufklärung und Erforschung der Euthanasie-Verbrechen des Nationalsozialismus. Viele seiner Veröffentlichungen, wie zuletzt auch das Buch mit den Namen aller Hamburger Euthanasieopfer, hätten wichtige Debatten ausgelöst. Weiterhin habe der heutige Leiter des Beratungszentrums der Evangelischen Stiftung Alsterdorf als Mitglied der Enquete-Kommission „Recht und Ethik der modernen Medizin“ und des Deutschen Ethikrates sich in wichtigen aktuellen Debatten der Bundesrepublik Deutschland zu Themen der Reproduktionsmedizin, der Pränataldiagnostik und der Behandlung behinderter, sterbender und von Demenz betroffener Menschen eingebracht.

Der Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Stiftung Alsterdorf Prof. Dr. Hanns-Stephan unterstricht Wunders konsequente Haltung zu wichtigen gesellschaftlichen Themen: „Michael Wunder hat uns immer wieder gezwungen, genau hinzusehen, nicht zu meinen, schon verstanden zu haben. Er hat hart daran gearbeitet, dass wir das Erinnern der Geschichte des Nationalsozialismus mit den Überlebenden, die inzwischen nicht mehr leben, und den Angehörigen zusammen unternehmen.“ (PM)

Locked-in-Syndrom: Forscher findet Weg, mit vollständig Gelähmten zu sprechen

Locked-in-Patienten sind sprach- und bewegungslos und verlieren nach und nach jede Möglichkeit, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Der Körper ist leblos, aber das Gehirn und die Gefühle arbeiten weiter. Der Neurowissenschaftler Niels Birbaumer hat einen Weg gefunden, mit komplett eingeschlossenen Menschen in Kontakt zu treten. Der Österreicher ist der Pionier in Sachen Kommunikation mit vollständig gelähmten Personen. Er hat eine Haube entwickelt, mit der er die Gehirnstörme messen und mit Hilfe von selbstlernenden Algorithmen daraus Ja und Nein-Antworten ableiten kann. Focus Online

Pflegeausbildungsverordnung gebilligt

Mit den Stimmen von Union und SPD hat der Gesundheitsausschuss des Bundestages vergangene Woche die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe beschlossen. Die Fraktionen von AfD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen votierten in Berlin dagegen, die FDP-Fraktion enthielt sich.

Nach der Verabschiedung des Pflegeberufegesetzes im Juni 2017 werden mit der dazugehörigen Verordnung die Details der Ausbildung geregelt. Im Zentrum der Pflegeberufereform steht die generalistische Ausbildung.

Das neue Ausbildungskonzept soll den Pflegefachkräften flexible berufliche Einsatzmöglichkeiten eröffnen und den Beruf insgesamt aufwerten. Die Ausbildung zur Pflegefachkraft, zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und zur Altenpflege dauert in Vollzeit drei Jahre. Spezialisierungen sind in der Kinderkranken- und Altenpflege möglich. Die neue Pflegeausbildung soll 2020 beginnen. Die Verordnung ist im Bundesrat zustimmungspflichtig.

Der Entwurf wurde in der Ausschusssitzung noch leicht verändert. Die Abgeordneten stimmten mehreren Änderungsanträgen der Regierungsfraktionen zu. Ein Änderungsantrag der Grünen-Fraktion zur Aufwertung der Altenpflege in Anlage 4 der Verordnung fand keine Mehrheit. (hib/PK)

Wenn die geistig behinderte Schwester weg soll…

Ungleiche Schwestern, gespielt von Jördis Triebel und Lilith Stangenberg (Foto: Michael Klier Film)

Ungleiche Schwestern, gespielt von Jördis Triebel und Lilith Stangenberg (Foto: Michael Klier Film)

Michael Kliers neuester Spielfilm „Idioten der Familie“ wird am 2. Juli als Weltpremiere beim 36. Filmfest München gezeigt. Klier schrieb nicht nur das Drehbuch, sondern führte auch Regie. Die rbb-ARTE-Koproduktion erzählt, wie die 40-jährige Heli (Jördis Triebel) ihre geistig behinderte Schwester (Lilith Stangenberg) in ein Heim geben will. Ihre drei egozentrischen Brüder, gespielt von Hanno Koffler, Florian Stetter und Kai Scheve, sind damit einverstanden. Doch dann erleben die Geschwister ein dramatisches Wochenende mit dem unberechenbaren „Nesthäkchen“…(PM)

Continental Clash 2018 – Erste Bewährungsprobe für deutsche Rollstuhlbasketballerinnen

Für die Auswahl von Headcoach Martin Otto steht die erste Bewährungsprobe im Rahmen der diesjährigen WM-Vorbereitung an. Vom 2. bis 6. Juli gastieren die deutschen Damen in Sheffield, um sich beim Continental Clash 2018 mit einigen der besten internationalen Teams zu messen. Erstmals präsentieren sich die ING-DiBa Korbjägerinnen damit in diesem Jahr bei einem offiziellen Turnier. Fans in Deutschland können die Auftritte des Team Germany live mitverfolgen. Über die Facebook Seite des British Wheelchair Basketball wird es einen kostenlosen Live-Stream des Turniers geben: https://www.facebook.com/BritishWheelchairBasketball

Neben den deutschen Damen gehen auch die Auswahl aus Japan, Dauerkontrahent Niederlande, die amtierenden Weltmeisterinnen aus Canada sowie Gastgeber Großbritannien in der EIS Arena in Sheffield an den Start. Angeführt wird das Team Germany dabei erstmals von Mareike Miller, die kürzlich als neue Kapitänin der deutschen Damen ernannt wurde.

„Für uns ist es die erste offizielle Maßnahme mit unserem kompletten WM-Kader. Daher ist das jetzt eine ganz wichtige Phase für uns, in der wir als Team zusammenwachsen wollen. Wir müssen noch an der ein oder anderen Kleinigkeit in unserem Zusammenspiel feilen und es vor allem schaffen, die Chancen, die sich uns unter dem Korb bieten, hochprozentiger abzuschließen. Auch im Lowpointer-Bereich. Dafür kommen der Continental Clash und der darauf folgende World Super Cup sehr gelegen,“ steckt Otto klare Ziele für das Turnier. (tf)

Vater schüttelte sein Baby blind

Ein 37-Jähriger Mann in Memmingen (Bayern) hat durch eine Schüttelattacke das Leben seines eigenen Kindes zerstört. Das kleine Mädchen ist nun blind, an Armen und Beinen gelähmt, wird nie sprechen können und ein Leben lang ein Pflegefall bleiben. Vor Gericht legte der Vater ein Geständnis ab. Bild

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