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Paralympics-Aus für Rollstuhlbasketball?

Rollstuhlbasketball

Paralympics-Aus für Rollstuhlbasketball?

Entscheidung fällt bis 29. Mai – was hinter der Drohung steckt, wie der Verband reagiert.

Mareike Miller. (Foto: Andreas Joneck/DBS)

Mareike Miller. (Foto: Andreas Joneck/DBS)

Mareike Miller, Spielführerin der deutschen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft, wehrt sich gegen den drohenden Ausschluss ihrer Sportart von den diesjährigen Paralympics in Tokio. „Diese Nachricht jetzt – wenige Monate vor Beginn der Spiele – und dazu durch eine Pressemitteilung zu erhalten, ist erschütternd und inakzeptabel», sagte die 29-Jährige in einer Mitteilung von des Vereins Athleten Deutschland.

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hatte das Aus für Tokio und für die Paralympics 2024 in Paris angedroht, sollte der Internationale Rollstuhlbasketballverband (IWBF) seine Regeln nicht an das Klassifizierungssystem des IPC anpassen. „Die Meldung des IPC hat uns Spielerinnen und Spieler tief getroffen. Wir alle haben unfassbar viel Zeit und Energie in die Qualifikation für Tokio 2020 und die laufende Vorbereitung gesteckt. Wir haben berufliche und private Ziele dem Sport untergeordnet», sagte Miller.

Der IWBF hat bisher unter anderem seinen Klassifizierungskodex nicht an die 2015 geänderten Vorgaben des IPC angepasst. Der Tokio-Ausschluss ist nur durch die Umsetzung eines vom IPC verlangten Aktionsplans abzuwenden.

IWBF-Präsident Ulf Mehrens, auch Vorsitzender des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes kündigte an, dass man in Zusammenarbeit mit den nationalen paralympischen Komitees und Verbänden alles Mögliche tun werde, «um sicherzustellen, dass bei den Paralympics in Tokio sowie bei zukünftigen Paralympischen Spielen Rollstuhlbasketball gespielt wird».

Am Sonntag hatte sich der Deutscher Rollstuhl-Sportverband e.V. an die Öffentlichkeit gewandt. Der 1. Vorsitzende Christoph Küffner schrieb in einer Mitteilung:

„Viele von Euch werden in den letzten Tagen sicher auf die Meldung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) aufmerksam geworden sein. Mit dieser Meldung hat das IPC bekannt gegeben, die Rollstuhlbasketball-Wettbewerbe vorläufig aus dem Programm für die Paralympischen Spiele in Paris 2024 gestrichen zu haben. Des Weiteren droht auch ein Ausschluss des Rollstuhlbasketballs für Tokio 2020, sofern bis zum 29. Mai keine Einigung bei der Klassifizierung zwischen dem IPC und dem Internationalen Rollstuhlbasketball-Verband (IWBF) erzielt worden ist.

Diese Diskussion, die auf unterschiedlichen Klassifizierungsphilosophien und -regularien fußt, wird bereits seit eineinhalb Jahren geführt. Heruntergebrochen sind die Anforderungen an die Schwere der Behinderung gemäß des IPC-Kodex höher als gemäß der Philosophie der IWBF, die wiederum in ihrem Statement auf die Bekanntgabe des IPC bekräftigen, ,den Sport so umfassend wie möglich zu gestalten und allen Menschen mit Behinderung die Möglichkeit zu geben, Basketball zu spielen‘.

Ähnliche Diskussionen und Entscheidungen hat es in anderen paralympischen Sportarten, wie dem Sitzvolleyball, in der Vergangenheit bereits gegeben – mit positivem Ergebnis. Eine Einigung und Lösung im Sinne der Werte des Sports sowie der klaren Abgrenzung zwischen Sport für Menschen mit und ohne Behinderung ist überfällig und für uns alle wünschenswert. An dieser Stelle sei betont, paralympischer Spitzensport kann den Zielen der Inklusion im und durch Sport in dieser Gretchenfrage nicht vollends gerecht werden. (…)

Der DRS weiß um die guten Absichten der beiden Weltverbände im Sinne der paralympischen Familie und Werte. Wir haben keinerlei Zweifel, dass die gemeinsame Lösung zu einer sportfachlich-fundierten und transparenten Klassifizierung führt und die Paralympischen Spiele in Tokio 2020 und Paris 2024 mit den gewohnt spektakulären Rollstuhlbasketball-Wettbewerben ausgetragen werden. Bei allem Vertrauen in ein lösungsorientiertes und rasches Handeln zur Beseitigung aller Missverständnisse, muss die Brisanz dieser Situation realistisch bewertet werden. Eine für alle Parteien zufriedenstellende Entscheidung wurde in vielen Sitzungen und Debatten der letzten Jahre nicht gefunden. Der Weg zu einer Lösung wird ein Kraftakt für alle Beteiligten.“

(RP/dpa)

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