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„Plan B“ – Mit Behinderung zum Spitzenjob

Bildung & Berufsleben

„Plan B“ – Mit Behinderung zum Spitzenjob

TV-Tipp: In unserer Gesellschaft muss alles und jeder funktionieren. Was das für Menschen mit Behinderung bedeutet, zeigt eine ZDF-Reportage. Von Klaus Braeuer

An einem Modell mit Koordinatenmuster lernen blinde Frauen, Veränderungen in der weiblichen Brust zu ertasten. Dank ihres besonders feinen Tastsinns können sie Knötchen erfühlen, lange bevor ein Arzt sie entdeckt. (Foto: ZDF/Detlev Konnerth)

An einem Modell mit Koordinatenmuster lernen blinde Frauen, Veränderungen in der weiblichen Brust zu ertasten. Dank ihres besonders feinen Tastsinns können sie Knötchen erfühlen, lange bevor ein Arzt sie entdeckt. (Foto: ZDF/Detlev Konnerth)

Kein Mensch möchte in irgendeiner Form behindert sein, weder geistig noch körperlich. Doch viele Menschen sind es, und sie wollen und müssen damit leben – und zum Teil auch arbeiten. Wie sie das schaffen, zeigt die Reportage „plan b: Scharfblick und Fingerspitzengefühl“ mit dem Zusatztitel „Mit Behinderung zum Spitzenjob“. Sie ist an diesem Samstag (29. September, 17.35 Uhr) im ZDF zu sehen.

Das Stichwort für den Film lautet „Inklusion“. Dieser soziologische Begriff meint die Einbeziehung von Menschen in die Gesellschaft, auch und insbesondere von denen, die zwar eine Behinderung haben, aber gleichzeitig mit besonderen Fähigkeiten aufwarten können. Eine von ihnen ist die Berlinerin Steffi Gedenk (38) – sie ist von Geburt an fast blind. Dafür sind alle ihre anderen Sinne extrem gut ausgeprägt, besonders ihr Tastsinn, dem sie ihren Beruf verdankt. Gedenk arbeitet als Medizinisch-Taktile Untersucherin in der Brustkrebsfrüherkennung und kann so helfen, Leben zu retten. Mittlerweile bildet sie andere blinde Frauen in dieser speziellen Untersuchungstechnik aus.

Akzeptables Arbeitsumfeld für alle

Anderes Beispiel: Ein IT-Beratungsunternehmen beschäftigt Asperger-Autisten. Sie erkennen Details und Muster, wo andere nur ein durcheinander wahrnehmen, etwa in Programmiercodes. Wenn in den langen Datenkolonnen nur ein einziges Zeichen falsch gesetzt ist, sticht der Fehler für den Firmenmitarbeiter Martin Neumann heraus wie ein „roter Fleck auf einer weißen Wand“. So kann er dabei helfen, Unternehmen teure Programmierfehler zu ersparen. Da Autisten oft Defizite im zwischenmenschlichen Umgang haben, helfen in diversen Firmen einige Jobcoaches, ein akzeptables Arbeitsumfeld für alle zu schaffen.

Bei einem katalonischen Joghurtproduzenten sind von 310 Mitarbeitern etwa 180 körperlich eingeschränkt, psychisch krank oder geistig behindert. Gründer und Psychologe Cristóbal Colón wollte ermöglichen, dass auch diese Mitarbeiter sich beweisen können. Der Erfolg gibt ihm recht: La Fageda erwirtschaftet einen Umsatz von über 20 Millionen Euro im Jahr.

Selbstbestimmtes und erfülltes Leben

Redaktionsleiter Christian Dezer bezeichnet das Format „plan b“ als „konstruktiven Journalismus“. Die jeweiligen Geschichten würden anhand verschiedener Beispiele und Protagonisten erzählt. „Und wir wollen dabei den europäischen Aspekt immer mit einbeziehen und in Erfahrung bringen, wie im Ausland mit den jeweiligen Problemen verfahren wird“, sagte er im ZDF-Gespräch. „Die Herausforderung dabei ist, für die 30-Doku-Minuten eine Dramaturgie mit verschiedenen Geschichten zu entwickeln, die sich abwechseln.“

Das kann besonders in dieser Folge als gelungen betrachtet werden. Der sensible Film von Autor Detlev Konnerth zeigt gleichzeitig sachlich und teilnahmsvoll, wie behinderte und nicht behinderte Menschen gemeinsam und wirtschaftlich erfolgreich arbeiten können. Und er zeigt vor allem, wie anerkannt diese Mitarbeiter sind, und wie sie – auch mit ihrem Lohn – ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben führen können.

(RP/dpa)

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