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Querschnittsgelähmter steuert 25-Tonnen-Radlader

Bildung & Berufsleben

Querschnittsgelähmter steuert 25-Tonnen-Radlader

Die Geschichte des 46-jährigen Rafael Spitz, der sich nach einem schweren Autounfall weigerte, das Arbeiten aufzugeben.

Der querschnittsgelähmte Straßenbauer Rafael Spitz bereitet sich auf seinen Einsatz als Radlader-Fahrer vor. An seiner Seite der Reha-Manager Stefan Kalkbrenner, BG BAU. (Foto: BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft/Bruno Streitmatter)

Der querschnittsgelähmte Straßenbauer Rafael Spitz bereitet sich auf seinen Einsatz als Radlader-Fahrer vor. An seiner Seite der Reha-Manager Stefan Kalkbrenner, BG BAU. (Foto: BG BAU Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft/Bruno Streitmatter)

Aus Anlass des Welttages der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember will ROLLINGPLANET nicht nur klagen und fordern, sondern auch eine positive Geschichte erzählen. Eine davon ist die des Straßenbauers Rafael Spitz. Innerhalb von Sekunden hatte sich sein Leben von radikal verändert: Auf dem Weg zur Arbeit kam sein Auto vor drei Jahren auf vereister Straße ins Schleudern und überschlug sich mehrfach. Nach der Akutversorgung mit Operation und erster Reha stand fest: Der Vater von drei eigenen und drei Stiefkindern bleibt aufgrund seiner Verletzungen an der Wirbelsäule querschnittsgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Doch der 46-jährige ließ sich nicht unterkriegen. Schon kurz nach dem Unfall war für ihn klar: „Ich will wieder arbeiten“.

Am liebsten wollte er das als Fahrer eines 25-Tonnen-Radladers machen. Auf diesem Weg wird Spitz von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) unterstützt. „Nach schweren Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten bleiben häufig gesundheitliche Einschränkungen zurück“, sagte Klaus-Richard Bergmann, Hauptgeschäftsführer der BG BAU. Berufsgenossenschaftliche Kliniken und Reha-Manager sollen es schwerverletzten Versicherten ermöglichen, ins Arbeitsleben zurückzukehren und wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Weiterhin selbständig leben

In der Praxis sah das bei Rafael Spitz so aus: Von Anfang an – schon in der Zeit, als Spitz in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Tübingen versorgt wurde – informierte ihn die BG BAU persönlich über mögliche Unterstützungsmöglichkeiten, wie ein individuell angepasstes Auto, einen zweiten Rollstuhl für sportliche Aktivitäten oder einen behindertengerechten Umbau des Wohnhauses. Mit einer Liftanlage kommt Spitz jetzt bequem in sein Wohnhaus und er wird künftig mit einem zusätzlichen Lift auch ungehindert in seinen Keller gelangen können. Zudem ist er auch finanziell voll abgesichert: Nach dem Verletztengeld und Übergangsgeld bezieht er neben dem Pflegegeld seit Ende Mai eine Unfallrente von der BG BAU.

Doch Spitz möchte so selbständig leben, wie möglich. „Und dazu gehört für mich auch der Job“, sagt der seit über 20 Jahren mit Baumaschinen vertraute Straßenbauer. Daher suchte sein Reha-Manager, Stefan Kalkbrenner, für Spitz einen Weg zurück ins Berufsleben, der seiner Leistungsfähigkeit und Neigung entspricht. Im Verlauf eines Vorbereitungslehrgangs und einer Umschulung im Bereich Uhren und Schmuck wurde schnell klar, dass nichts anderes die Leidenschaft für seine frühere Arbeit als Baumaschinenführer im Straßenbau ersetzen kann.

Arbeitgeber macht mit

Und weil die Wiederaufnahme der bisherigen beruflichen Tätigkeit Vorrang hat, nahm die BG BAU gern das Angebot des früheren Arbeitgebers an, Spitz als Radlader-Fahrer einzusetzen. Der behindertengerechte Umbau der 25 Tonnen schweren Baumaschine wurde in die Wege geleitet. Das war der erste Sonderumbau dieser Art.

Nach einem Probelauf, bei dem der Querschnittsgelähmte alle notwendigen Arbeiten mit der Baumaschine erledigen konnte, stand der erneuten Beschäftigung in seinem Wunschberuf nichts mehr im Weg. „Mein Grundgedanke war, wer Auto fährt, kann auch eine Baumaschine bediene“, so Spitz. Mit einem Speziallift kommt er regelmäßig in die Fahrerkabine, an einem elektronischen Zuggerät kann er seinen Rollstuhl festmachen und Gas und Bremse des Radlader steuert er nun mit einem Joystick. Auf diese Weise kann Spitz wieder in vollem Umfang berufstätig sein.

(RP/PM)

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