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Se(h)en ohne Grenzen

Alltag

Se(h)en ohne Grenzen

Der Zugang zur Natur ist für Menschen mit Behinderung oft beschwerlich. Ein neues Projekt will Barrieren abschaffen.

Lindau (Bodensee) (Symbolfoto: Shutterstock)

Lindau (Bodensee) (Symbolfoto: Shutterstock)

Der Aufenthalt in der Natur, das Erleben und Lernen über die Natur sind für viele Menschen wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Für Menschen mit Behinderung ist der Zugang zur Natur über Naturschutzzentren und ähnliche Einrichtungen bisher kaum möglich. Anpassungen in Umweltzentren und Naturparken sind in ihrer Umsetzung oft mit erheblichen Kosten verbunden. Dabei gibt es in Europa einige gute Beispiele, wie man die Natur bereits mit kleinen Anpassungen allen zugänglich machen kann.

Der Global Nature Fund (GNF) und der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) wollen sich mit der European Living Lakes Partnership diesem Thema annehmen. „Lakes without Limits“ – Seen ohne Grenzen heißt das Projekt, das praxisnahe Fortbildungsmaterialien für Umweltbildner und Naturpädagogen erarbeitet und eine barrierefreie Ausgestaltung von Naturlehrpfaden in Deutschland, Österreich, Ungarn und Polen unterstützt. Der Fokus des Projekts liegt auf Seenregionen in Europa, alle Ergebnisse sind aber ebenso gut in Wald und Heide anwendbar. Unterstützt wird das Projekt vom Erasmus+ Programm der Europäischen Union.

Waldboden zum Anfassen: Mit einfachen Mitteln werden verschiedene Waldtypen für blinde Menschen greifbar gemacht. (Foto: GNF Archiv)

Waldboden zum Anfassen: Mit einfachen Mitteln werden verschiedene Waldtypen für blinde Menschen greifbar gemacht. (Foto: GNF Archiv)

Barrieren aller Art

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten in Deutschland im Jahr 2013 über 10 Millionen Menschen mit Behinderung. Die EU-Agentur für Grundrechte spricht von rund 80 Millionen europaweit. Diese Menschen sind in ihrem Alltagsleben mit Barrieren aller Art konfrontiert. Inklusion steht zwar ganz oben auf der politischen und gesellschaftlichen Agenda, bei manchen Maßnahmen stockt aber die Umsetzung. Wenn auch die Integration auf dem Arbeitsmarkt sowie die Infrastrukturanpassungen immer besser gelingen, bleibt ein weiterer, nicht weniger wichtiger Bereich nur bedingt berücksichtig: Aufenthalte in der Natur.

„Vor allem geht es uns im Projekt um die Kommunikationsbarrieren, also darum, dass Menschen mit Einschränkungen in der Wahrnehmung dasselbe erfahren, wie ohne“, sagt Katja Weickmann, Projektverantwortliche beim GNF.

Behinderte als wichtigste Projektexperten

Die europäischen Erfahrungen zusammenzutragen, die vorhandenen Kriterien und Programme zu analysieren und eine praktische und praktikable Umsetzungshilfe für Naturpädagogen in Europa auszuarbeiten, das sind die wichtigsten Ziele des Projekts. „Menschen mit Einschränkungen sind unsere wichtigsten ,Projektexperten‘ bei der Entwicklung der Richtlinien und der Erprobung von Maßnahmen. Unser Ansatz in dieser Hinsicht ist, dass wir Menschen mit Behinderungen als Experten in eigener Sache einbinden werden, um mit ihnen zusammen die Anforderungen zu entwickeln“, erläutert Hilke Groenewold vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV), einem der Projektpartner.

Der Global Nature Fund schreibt: „Barrierefreie Angebote sind unentbehrlich für 10 Prozent der Nutzer, hilfreich für 30 Prozent, bequem für 100 Prozent. Mit diesem Projekt wird nicht nur die Integration von Menschen mit Behinderung in beteiligten Ländern angesprochen, sondern auch die Sensibilität für die Natur aller Europäer gefördert.“

(RP/PM)

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2 Kommentare

2 Kommentare

  1. Thomas L.

    3. Dezember 2018 um 12:02

    Die Unterschrift des ersten Bildes („Bodensee in Konstanz“) ist nicht korrekt. Abgebildet ist die Stadt Lindau (Bodensee) und nicht Konstanz.

  2. ROLLINGPLANET

    3. Dezember 2018 um 12:44

    Vielen Dank für den Hinweis! Wir haben die Bildunterschrift geändert.

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