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Stefanie Ritzmann: „Weglaufen? Geht nicht!“

Baden-Württemberg

Stefanie Ritzmann: „Weglaufen? Geht nicht!“

Die Behindertenaktivistin ist eines der Opfer des Contergan-Skandals, aber will sich nicht von Wut bremsen lassen.

Stefanie Ritzmann bei einem TV-Aufttritt. (Foto: SWR)

Stefanie Ritzmann bei einem TV-Aufttritt. (Foto: SWR)

Weglaufen geht nicht. Bei Stefanie Ritzmann ist das wörtlich zu verstehen. Sie kam am 29. Februar 1960, einem Schalttag, in Osnabrück mit starken körperlichen Behinderungen auf die Welt. Ursache ist ein pharmazeutisches Desaster, ein juristisches Trauerspiel: In den Jahren 1957 bis 1961 kamen an die 5000 Kinder wegen des Medikaments Contergan mit schweren Missbildungen zur Welt. Stefanie Ritzmann ist eines davon.

Sie lacht und sagt:

„Die Hände sind anders, die Beine sind anders. Nur meine Träume und Wünsche sind genau dieselben wie bei allen Menschen.“

Ganz so einfach war ihr Lebenslauf indes nicht: „Abgeschoben“, fern ihrer Familie in Heimen und Kliniken aufgewachsen, macht sie ihren Weg. Getragen, unterstützt von Menschen, die ihr Potential erkennen, kämpft sie sich Stück für Stück in ein autarkes, selbständiges Leben. Sie engagiert sich – und gründet in Karlsruhe den ersten Behindertenbeirat einer baden-württembergischen Kommune. Ihre Botschaft lautet: „Trotz Behinderung kann man ein gutes Leben haben und leben.“

Lieber ohne Wut

Würde Wut etwas ändern? „Nein, die würde mich nur ausbremsen und aufhalten“, so die 58-Jährige. „Ich glaube einfach, dass wir auch da sind, damit man Erfahrungen sammeln kann, wie man mit uns umgehen kann, welche Hilfsmittel, welche Bedingungen wir benötigen. Hier können wir so viele Erfahrungen und Ideen weitergeben!“

Ritzmann war von 1989 bis 2002 Verwaltungsangestellte. Als Erste Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderungen kümmerte sie sich jahrelang um die Belange der behinderten Bürger der Stadt. Für ihr Engagement wurde ihr 2014 der Landesverdienstorden Baden-Württembergs verliehen. Sie lebt in Karlsruhe.

Nachzulesen ist das in dem Buch „Weglaufen? Geht nicht!“, das Ritzmann gemeinsam mit der gleichaltrigen Autorin Beate Rygiert schrieb.

Stefanie Ritzmann/Beate Rygiert: „Weglaufen? Geht nicht!“ (Klöpfer & Meyer, Februar 2018) Mit einem Vorwort von Carmen Würth. 268 Seiten mit 24 s/w Fotos und 3 s/w Illustrationen, geb. mit Schutzumschlag, 22 Euro, ISBN 978-3-86351-465-5

(RP/PM)

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