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Universitäten müssen noch viel verbessern für Studierende mit Behinderung

Bildung & Berufsleben

Universitäten müssen noch viel verbessern für Studierende mit Behinderung

„Licht und Schatten“: Eine neue Untersuchung offenbart erhebliche Mängel am Campus.

(Symbolfoto: Shutterstock)

(Symbolfoto: Shutterstock)

Deutschlandweit verzichten Zehntausende Studenten mit einer chronischen Erkrankung oder Behinderung auf mögliche Studienerleichterungen. Das zeigt die am Montag in Berlin vorgestellte Studie „beeinträchtigt studieren – best2“ des Deutschen Studentenwerks (DSW) und des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung. 21.000 Studierende mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen von 153 Hochschulen nahmen an der Online-Umfrage teil. Viele wüssten über die Hilfsmöglichkeiten nicht Bescheid oder hätten Hemmungen, sich als beeinträchtigt zu outen, sagte der Präsident des Studentenwerks, Rolf-Dieter Postlep.

Den Hochschulen warf er vor, Studienanfänger zu wenig über solche Möglichkeiten zu informieren. „Das ist eine Unterlassungssünde.“ Oft lägen nur irgendwo entsprechende Broschüren aus, das sei aber viel zu wenig. Der Grünen-Bildungsexperte Kai Gehring rief auch Bund und Länder auf, die Betroffenen bei der Gestaltung ihrer Förderprogramme stärker in den Blick zu nehmen.

Insgesamt habe mehr als jeder Zehnte der rund 2,8 Millionen Studierenden eine Behinderung oder chronische Krankheit. Mehr als die Hälfte davon lebt mit psychischen Erkrankungen, jeder Fünfte hat ein chronisches körperliches Leiden wie Rheuma oder Epilepsie. Dazu kommen unter anderem Menschen mit Bewegungs- oder Sinnesbeeinträchtigungen oder Legasthenie. Neun von zehn dieser Studenten hätten Schwierigkeiten mit der Organisation des Studiums, so die Umfrage.

„Es gibt Licht und Schatten“, fasst Postlep die wichtigsten Ergebnisse der Befragung zusammen. Wie schon bei der ersten Befragung im Jahr 2011 geben neun von zehn Studierenden mit Beeinträchtigungen oder chronischen Erkrankungen an, dass sie beeinträchtigungsbedingte Schwierigkeiten im Studium haben, insbesondere durch die hohe Prüfungsdichte oder durch Anwesenheits- und Zeitvorgaben. Nachteilsausgleiche werden von drei Viertel der Nutzerinnen und Nutzer als hilfreich bewertet, sie werden aber nach wie vor zu selten genutzt. Nur 29 % der befragten Studierenden haben zumindest einmal einen Nachteilsausgleich beantragt. Studierende verzichten auf Nachteilsausgleiche, insbesondere weil sie ihre Rechte nicht kennen, Hemmungen haben oder eine „Sonderbehandlung“ ablehnen.

Bloß nicht auffallen

Die Angst vor Ablehnung und Stigmatisierung sowie negative Erfahrungen mit der Offenlegung ihrer Beeinträchtigung erschweren für viele beeinträchtigte Studierende die Kommunikation mit Lehrenden, Mitstudierenden und der Verwaltung.

Der Unterstützung durch das familiäre Umfeld, aber auch durch Ärztinnen und Ärzte, durch Therapeutinnen und Therapeuten oder durch Kommilitoninnen und Kommilitonen kommt eine sehr hohe Bedeutung für das Gelingen des Studiums zu. Für besonders wichtig erachten die Studierenden zudem eine bedarfsgerechte Unterstützung in der Studieneingangsphase.

Die spezifischen Beratungsangebote für Studierende mit Beeinträchtigungen in Hochschulen und Studenten- oder Studierendenwerken sind gegenüber der ersten Befragung im Jahr 2011 besser bekannt und werden häufiger genutzt. Trotz aller Schwierigkeiten: Vier von fünf beeinträchtigten Studierenden würden ihren Studiengang wiederwählen.

Immer noch vielfältige Barrieren

DSW-Präsident Postlep resümiert: „Wenn man die beiden Befragungen ‚best1‘ aus dem Jahr 2011 und aktuell ‚best2‘ vergleicht, stellt man fest: Noch immer behindern vielfältige Barrieren ein chancengleiches Studium. Leider funktionieren auch die Nachteilsausgleiche nicht überall und für alle gleich gut. Ich appelliere an die Hochschulen, Barrieren weiter abzubauen. Davon profitieren nämlich alle Studierenden.“ Postlep weiter: „best2 zeigt, wie dringend es ist, am Beginn des Studiums zielgerichtet zu informieren. Das Thema Nachteilsausgleich gehört in jede Erstsemester-Veranstaltung.“

Die Formen der studienrelevanten Beeinträchtigungen sind sehr vielfältig. Mehr als die Hälfte der beeinträchtigten Studierenden (53 %) hat eine psychische Erkrankung; das sind acht Prozentpunkte mehr als im Jahr 2011. 20 % haben eine chronisch-somatische Erkrankung, wie beispielsweise Rheuma, Multiple Sklerose oder Epilepsie, 10 % eine Sinnes- oder Bewegungsbeeinträchtigung, 4 % eine Teilleistungsstörung, wie etwa Legasthenie. 6 % der beeinträchtigten Studierenden nennen sonstige Beeinträchtigungen, und 7 % haben mehrere Beeinträchtigungen.

„Dank der hohen Beteiligungsbereitschaft von Studierenden mit Beeinträchtigung konnten wir umfassende Einblicke in ihre Studiensituation und Bedürfnisse gewinnen. Diese Ergebnisse können von der Hochschulpolitik und der Praxis genutzt werden, um die Rahmenbedingungen für Studierende mit Beeinträchtigung zu verbessern. Sie sind aber auch ein wichtiger Mosaikstein für die nationale Bildungsberichterstattung zur Erfüllung der Selbstverpflichtung, die bei der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention von Deutschland eingegangen wurde“, erläutert Prof. Dr. Monika Jungbauer-Gans, die wissenschaftliche Geschäftsführerin des DZHW.

(RP/PM/dpa)

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