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Vier Freunde müsst Ihr sein

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Vier Freunde müsst Ihr sein

Der taubblinde Brasilianer Carlos Junior und seine drei Kumpel liefern den wohl beeindruckendsten WM-Jubel.

Der 31-jährige Brasilianer Carlos Junior ist aufgrund des Usher-Syndroms gehörlos und blind, verfolgt aber dennoch wie wohl die meisten seiner 208 Millionen Landsleute leidenschaftlich die Fußball-WM in Russland – dank seiner Freunde Vinícius Alves, Renato Rodrigues und eines Dritten (dessen Name uns leider nicht bekannt ist).

Das Video oben, das zeigt, wie die vier beim Spiel ihrer Selecao gegen Costa Rica mitfiebern, gehört schon jetzt zu den beeindruckendsten Episoden der Weltmeisterschaft. Damit Carlos Junior die Partei live erleben konnte, übersetzten seine drei Kumpel, die sich abwechselten, das Geschehen auf dem Rasen auf ganz besondere Art und Weise:

Sie verwendeten einen Miniatur-Fußballplatz aus Holz, überzogen es mit Folie und trugen die Markierungen für Seiten- und Mittellinien und Strafräume mit Hochrelief-Tinte auf. Während des Kicker-Duells klopften Vinícius Alves und Renato Rodrigues Carlos Junior bei Jubel auf die Schulter oder führten seine Hände über das Holz-Spielfeld, um die Positionen der Sportler anzuzeigen. Gleichzeitig malte einer der Freunde die Nummer des Spielers, der gerade den Ball führte, auf Carlos Juniors Rücken. 90 Minuten lang musste das Quartett zittern, erst in der Nachspielzeit fielen die beiden Siegtore von Coutinho und Neymar – auch wie dieser dann sein Gesicht im Trikot versteckte und nach dem Schlusspfiff den Tränen freien Lauf ließ, symbolisierten die beiden Freunde für Carlos Junior. Das war weltmeisterlich.

Eine genetisch bedingte Erkrankung

Das Usher-Syndrom ist eine erblich bedingte Kombination von langsam fortschreitender Netzhautdegeneration und bereits früh einsetzender Innenohrschwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit. Bei Carlos Junior machte sich das User-Syndrom seit seinem 17. Lebensjahr bemerkbar.

Es ist benannt nach dem englischen Augenarzt Charles H. Usher, der 1914 die rezessive Vererbung des Syndroms beschrieb. Die erste Erwähnung dieser Kopplung von Seh- und Hörbehinderung (Netzhautentartung bei Taubstummen) erfolgte 1858 durch den Begründer der modernen Augenheilkunde, Albrecht von Graefe. 1861 wies Richard Liebreich auf die Vererbbarkeit dieser Krankheit hin.

Usher-Forschung wird in Deutschland seit Mitte der 90er Jahre betrieben (derzeit an den Universitäten Mainz, Tübingen und Köln). In Europa befinden sich weitere Zentren der Forschung unter anderem an den Universitäten Göteborg, Nijmegen und Paris.

(RP/ag)

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