Kontaktieren Sie uns

Rollingplanet | Portal für Menschen mit Behinderung

Was die neue WHO-„Klassifikation für Diagnostik“ für Behinderte bedeutet

Gesundheit & Medizin

Was die neue WHO-„Klassifikation für Diagnostik“ für Behinderte bedeutet

In Hamburg diskutierten Experten im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation, wie sich weltweit die Gesundheit der Menschen verbessern lässt.

Gastgeberin Prof. Dr. Liane Simon von der MSH Medical School Hamburg (Mitte) mit den derzeitigen Vorsitzenden der WHO-Arbeitsgruppen:  Yukiko Yokobori (Japan), Dr. Huib Ten Napel (Niederlande), Haejung Lee (Korea) und Dr. Matilde Leonardi (Italien) (von links). Die Teilnehmer der WHO-Arbeitsgruppen kamen aus 37 verschiedenen Ländern nach Hamburg. (Foto: MSH Medical School Hamburg/Parham Khorrami)

Gastgeberin Prof. Dr. Liane Simon von der MSH Medical School Hamburg (Mitte) mit den derzeitigen Vorsitzenden der WHO-Arbeitsgruppen: Yukiko Yokobori (Japan), Dr. Huib Ten Napel (Niederlande), Haejung Lee (Korea) und Dr. Matilde Leonardi (Italien) (von links). Die Teilnehmer der WHO-Arbeitsgruppen kamen aus 37 verschiedenen Ländern nach Hamburg. (Foto: MSH Medical School Hamburg/Parham Khorrami)

Die MSH Medical School Hamburg (siehe ROLLINGPLANET Info-Box) war in der letzten Woche Gastgeber zweier Arbeitsgruppen, an denen Fachleute im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an der weltweiten Verbesserung der Gesundheit von Menschen arbeiten. Im Fokus diesmal: Neue Formen der Diagnostik, um die Behandlung von Menschen zu verbessern.

Die WHO-Arbeitsgruppen gehen davon aus, dass es immer bedeutsamer wird, bei der Behandlung von Krankheiten das immer komplexer werdende Leben von Menschen schon in der Diagnostik mit zu berücksichtigen.

Trotz gleicher Diagnosen ist es nicht immer richtig, die gleiche Behandlung durchzuführen. Es muss berücksichtigt werden, wie ein Mensch lebt, aber auch welche Bedeutung eine Krankheit und seine Behandlung für ihn hat. Die Weltgesundheitsorganisation hat deshalb eine neue Diagnostik „Klassifikation für Diagnostik“ entwickelt, die die bewährten Methoden ergänzen soll. Eine große Bedeutung bekommt die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachleute, aber auch die genaue Befragung der Patienten selbst, die bisher aus Sicht der Fachleute oft noch zu kurz kommt und in ihrer Bedeutung für den Gesundheitsprozess bisher unterschätzt wurde. Sie soll zukünftig eine viel größere Rolle spielen.

An der MSH arbeitet Prof. Dr. Liane Simon, die als Expertin an den jeweiligen Arbeitstreffen der WHO die deutsche Delegation beratend begleitet. Ihrer Einladung nach Hamburg folgten knapp 100 Fachleute aus 37 verschiedenen Nationen.

Im Bundesteilhabegesetz verankert

In Hamburg wurde nun darüber beraten, wie diese neuen Versorgungsformen in den einzelnen Ländern umgesetzt werden und die Fachleute der Gesundheitsberufe darauf vorbereitet werden können. In vielen Ländern ist dies noch in weiter Ferne. Deutschland allerdings hat im Bereich der Rehabilitation schon gut vorgearbeitet: Das Bundesteilhabegesetz ist eines der ersten Gesetze weltweit, in dem diese neue Form der Diagnostik und Behandlungsplanung verpflichtend für die Behandlung von Menschen mit Behinderung festgelegt wird.

Diese neuen Formen werden an der MSH, staatlich anerkannter Hochschule für Gesundheit und Medizin, erforscht und gelehrt. Die nationale Verbreitung des Wissens wurde außerdem mithilfe einer im Anschluss an die Tagungen stattfindenden nationalen Konferenz ergänzt, auf der sich 250 Ärzte, Psychologen, Therapeuten, Sozialarbeiter und Frühförderfachleute darüber informierten.

Für die Patienten bedeutet das, dass sie zukünftig ausführlicher informiert und befragt werden sollen. Nicht nur ihre körperlichen oder seelischen Beschwerden sollen dabei zur Sprache kommen, sondern auch die direkten erlebten Auswirkungen auf ihren Alltag, ihre Beziehungen, Freizeit und Arbeit. Erst dann sollen die Fachleute der Gesundheitsberufe Behandlungskonzepte entwickeln, die diese Aspekte mitberücksichtigen. Die Erwartung ist, dass solche Behandlungsformen die Versorgung von Patienten verbessern, weil sie individueller und damit speziell angepasster ist.

(RP/PM)

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Elisabeth Wirthensohn

    21. April 2018 um 19:10

    „Nicht nur ihre körperlichen oder seelischen Beschwerden sollen dabei zur Sprache kommen, sondern auch die direkten erlebten Auswirkungen auf ihren Alltag, ihre Beziehungen, Freizeit und Arbeit.“—–Wenn man in den 1950 gern von Geburt an behindert ist, wäre man ratz fatz in eine Behinderteneinrichtung verfrachtet worden, wenn Eltern überhaupt darauf aufmerksam gemacht hätten, dass ein behinderter Säugling geboren worden ist. —-Niemals hätte ich, weil in den 1950gern behindert geboren eine Berufsausbildung machen können mit qualifiziertem Abschluß.—Als ich Anfang der 1980ger ein paar orthopädische Schuhe rezeptiert haben wollt, sagte Orthopäde: Wer soll das alles bezahlen.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weiter(sc)rollen – Thema: Gesundheit & Medizin

Neueste Beiträge

Top-Themen

Am häufigsten gelesen

Das Aufreger-Thema

Neueste Kommentare

Neuestes Parkplatzschwein

Falsche Behindertenparkplatzfreunde

Falschparker/in: W-XR 111

Von 8. Juli 2018
Aufzug
Info-Box

ROLLINGPLANET Info-Box


MSH Medical School Hamburg

Die MSH Medical School Hamburg, University of Applied Sciences and Medical University, ist eine private, staatlich anerkannte Hochschule in der Freien und Hansestadt Hamburg mit Sitz in der Hafencity. Sie wurde 2009 von der Geschäftsführerin Ilona Renken-Olthoff gegründet und startete 2010 mit sechs Studiengängen. Seitdem erweiterte sich das Studienangebot auf insgesamt elf Bachelor- und zehn Masterstudiengänge, die erfolgreich akkreditiert sind und somit ein Höchstmaß an Qualität und Transparenz gewährleisten.

Das Besondere an der MSH ist, dass sie zwei Fakultäten vereint: Die Fakultät Gesundheit, mit dem Status einer Fachhochschule, arbeitet in Lehre, Forschung und wissenschaftlicher Weiterbildung stark anwendungsorientiert. Die Fakultät Humanwissenschaften nutzt ihren Status als wissenschaftliche Hochschule, die einer Universität gleichgestellt ist. Studierende können somit zwischen einem Fachhochschulstudium und einem universitären Studium wählen und ihre Karriere ihren Stärken und Talenten entsprechend planen.

Mittlerweile studieren circa 2.800 Studierende an der MSH und schätzen den Campus inmitten der modernen und aufstrebenden Hafencity sowie den Campus „Arts and Social Change“ in den Räumlichkeiten einer ehemaligen Fabrik am Harburger Binnenhafen.