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Wenn Bilder Wirklichkeiten schaffen: „Disability Collection“ feiert einjähriges Jubiläum

Kultur

Wenn Bilder Wirklichkeiten schaffen: „Disability Collection“ feiert einjähriges Jubiläum

Getty Images will mit seiner Bildkollektion Menschen mit Behinderung authentisch darstellen. ROLLINGPLANET kennt eine noch bessere Adresse.

A photo of diverse business people smiling in creative office. Portrait of confident male and female professionals. They are in brightly lit area.

Oben: Ein Foto aus der „Disability Collection“ (Coypright: Getty Images).

Heute, am Global Accessibility Awareness Day – einem Tag zum Gedenken der allgemeinen Barrierefreiheit (siehe auch ROLLINGPLANET-Kommentar) – feiern Getty Images, Verizon Media und die National Disability Leadership Alliance (NDLA) den ersten Jahrestag der Disability Collection. Die Bildkollektion wurde vor einem Jahr ins Leben gerufen, um sich für eine authentische Repräsentation und lebensgetreue Darstellung von Menschen mit Behinderung einzusetzen. Inzwischen beinhaltet die Sammlung über 1.000 Bilder.

Dazu schreibt Getty Images: „Jedes einzelne Bild der Kollektion wurde sorgfältig durch die NDLA überprüft, ein Zusammenschluss von 17 nationalen Organisationen unter der Leitung von Menschen mit Behinderung. Für die Prüfung der Bilder wurden hohe Maßstäbe angesetzt, um die vielen Ausprägungen von Behinderung ohne Vorurteile darzustellen.“

Die Disability Collection wurde von sechs Fokusgruppen von Verizon Media entwickelt, die sich auf verschiedene Arten der Behinderungen konzentrieren. Gleichzeitig wurde durch eine quantitative Befragung von über 1.000 Personen ermittelt, auf welche Art und Weise Menschen mit Behinderung in Bildern dargestellt werden möchten und welche Anleitungen sie Fotografen geben würden, um Klischees zu vermeiden. Diese Ko-Kuration sei einmalig im Bereich visueller Repräsentationskampagnen, wobei die Arbeit der NDLA-Mitglieder für die Schaffung dieser authentischen Kollektion ausschlaggebend war.

„Bilder zu kreieren, zu kuratieren und die Menschen mit Behinderung auf so eine offene und menschliche Weise darstellen, ist in dieser Größenordnung noch nie durchgeführt worden“, sagt Lawrence Carter-Long, Communications Director für die Disability Rights Education & Defense Fund bei der NDLA. „Die Partnerschaft mit Getty Images und Verizon Media hat uns ein großes Mitspracherecht bei der angemessenen Darstellung von Menschen mit Behinderung in den Medien ermöglicht. Diese Darstellung wiederum beeinflusst, wie wir uns innerhalb der Gesellschaft wahrnehmen. Oftmals werden Menschen mit Behinderungen von Mainstream-Medien in unserer Kultur nicht beachtet. Die Disability Collection ist ein großer Entwicklungsschritt hin zu einer Welt, in der sich jeder gesehen fühlt – ein wirklicher Fortschritt.“

Keine professionellen Models

Die Sammlung zeigt bewusst Menschen mit Behinderung in ihrem alltäglichen Leben. Darüber hinaus werden echte Menschen mit unterschiedlichem sozioökonomischem Status, Alter, Geschlecht, Ethnizität und Sexualität dargestellt, anstelle von professionellen Models. Genauso wichtig war es, dass die Kollektion nicht das stereotypische „Überwinden“ einer Behinderung zeigt, sondern diese als natürlichen Teil der Identität repräsentiert.

„Heutzutage sind Bilder eine Sprache, die auf der ganzen Welt gesprochen wird. Das bedeutet auch, dass es noch nie so wichtig war wie heute, eine visuelle Kommunikation zu erschaffen und zu verbreiten, die progressiv und inklusiv ist,“ sagt Dr. Rebecca Swift, Leitende Direktorin des Creative Insight Teams bei Getty Images. „Daher haben wir uns mit NDLA und Verizon Media zusammengetan, um Bilder zu erschaffen, die das wirkliche Leben mit Behinderung reflektieren. Die Kollektion soll die Medien und Werbeindustrie darin bestärken, Menschen mit Behinderung so darzustellen wie sie tatsächlich sind.“

Wesentlich mehr Suchanfragen

Im vergangenen Jahr konnte Getty Images einen Anstieg der Suchanfragen in Bezug auf Darstellungen von Behinderung auf www.gettyimages.com verzeichnen – der Begriff „disability“ („Behinderung“) stieg von 2017 auf 2018 um 98% an. Zusätzlich kamen über die letzten 12 Monate, seit der Gründung dieser Partnerschaft, neue Suchbegriffe auf. Diese beinhalten „learning disabled“ („lernbehindert“), „intellectually disabled“ („geistig behindert“) und „disabled employee“ („behinderter Mitarbeiter“).

„Bisher war es schwierig für Unternehmen, moderne, würdevolle und vielfältige Bilder von Menschen mit Behinderung zu finden“, sagt Mike Shebanek, Leiter für Barrierefreiheit und Inklusion bei Verizon Media. „Mit der Disability Collection haben sie nun Zugang zu Fotos, die ihre Zielgruppen authentisch repräsentieren. Das ist wichtig, denn: Menschen möchten sich mit einer Marke identifizieren, die ihre Werte teilt. Tatsächlich haben unsere Untersuchungen ergeben, dass 70% einer Marke positiver gegenüberstehen, wenn Menschen mit Behinderung in der Werbung gezeigt werden. Die Disability Collection ist ein wichtiges Instrument, um eine Diskussion über unterschiedliche Repräsentationsformen auf sozialer Ebene anzuregen.“

Heute rufen Verizon Media, Getty Images und NDLA dazu auf, die Diskussion über Repräsentation von Behinderungen in Medien und Werbung online weiter voranzutreiben. Mit dem Hashtag #TheDisabilityCollection kann auf allen Sozialen Kanälen die persönliche Meinung geteilt werden, warum eine stärkere Repräsentation von Menschen mit Behinderung wichtig ist und so ein größeres Bewusstsein für diese Thematik geschaffen werden.

Wen ROLLINGPLANET empfiehlt

Ungeachtet der Disability Collection bleibt bei unserer Fotosuche eine unserer Lieblingsadressen im Internet Gesellschaftsbilder.de – eine tolle Initiative der Sozialhelden e.V. Berlin. Das im April relaunchte Angebot, das von Andi Weiland schon seit Jahren maßgeblich vorangetrieben wird, bietet eine große Auswahl an kostenlosen Motiven zum Thema Menschen mit Behinderung.

„Gesellschaftsbilder.de ist eine Fotodatenbank für Redaktionen, MedienmacherInnen und Blogger und alle Interessierte, die für ihre Arbeit Bilder fernab von Klischees suchen. Die Fotodatenbank soll ein Angebot sein, um die Vielfalt der Gesellschaft abzubilden“,

so die Initiatoren. „Bilder schaffen Wirklichkeit. Sie wirken unmittelbar und sind universell verständlich. Und Fotos werden immer wichtiger: Wurden vor 20 Jahren noch 25% des Inhalts einer großen deutschen Wochenzeitung mit Bildern gefüllt, sind es heute bereits 35%. Fotos zeigen einen Ausschnitt der Realität, die je nach gewählter Perspektive konstruiert werden kann. Oft sind beispielsweise Fotos von Menschen mit Behinderung stereotyp und auf die Behinderung reduziert. Das Online-Angebot Gesellschaftsbilder.de möchte diese Klischees meiden und stattdessen Vielfalt aufzeigen.“

(RP/PM)

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