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Wirbel um „Junge Humanisten Magdeburg e.V.“

Das Aufreger-Thema

Wirbel um „Junge Humanisten Magdeburg e.V.“

Gebärdensprache bei Jugendweihe nicht willkommen: Der Verein diskriminiert offensichtlich gehörlose Menschen.

Die St.-Johannis-Kirche in Magdeburg. (Foto: Meiert, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/" rel="noopener" target="_blank">CC BY-SA 3.0</a>)

Die St.-Johannis-Kirche in Magdeburg. (Foto: Meiert, CC BY-SA 3.0)

Jedes Jahr werden Hunderte Jugendliche mit der Jugendweihe in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen. Auch für Sabine Kuballa und ihren Sohn Patrick sollte der Tag und die damit verbundene Feierstunde in der Johanniskirche in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) etwas Besonderes werden. Mutter Sabine Kuballa ist taub, ebenso wie ihr Lebenspartner und ihre Mutter, die ebenfalls an der Feierstunde teilnahmen. Damit sie alles verstehen, was auf der Bühne gesprochen wird, bestellt sich Sabine Kuballa für solche Anlässe immer einen Dolmetscher.

Doch wie Christina Bendigs, Autorin der regionalen Tageszeitung „Volksstimme“, berichtete, verbot der Verein „Junge Humanisten Magdeburg e.V.“, der Veranstalter der Jugendweihefeier, der Dolmetscherin für deutsche Gebärdensprache und deutsche Sprache, sich auf die Bühne der Johanniskirche in Magdeburg zu stellen. Außerdem musste die gehörlose Familie die Eintrittskarte für die Gebärdensprachdolmetscherin bezahlen.

Der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. und die Gehörlosengemeinschaft Sachsen-Anhalt e.V. bezeichnen diese Maßnahmen nun in einer gemeinsamen Erklärung als „unverständlich und diskriminierend“.

Gleichberechtigter Zugang vorgeschrieben

Mit dem Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (§ 6 und § 9 BGG) und dem Gesetz des Landes Sachsen-Anhalt zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (§ 6 und § 14 BGG LSA) wurde die Deutsche Gebärdensprache (DGS) 2002 als eigenständige Sprache anerkannt.

Ziel des BGG LSA (§ 1) ist es, in Umsetzung des Übereinkommens der Vereinten Nationen vom 13. Dezember 2006 über die Rechte von Menschen mit Behinderungen Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen im Land Sachsen-Anhalt zu verhindern und zu beseitigen, gleichwertige Lebensbedingungen und Chancengleichheit sowie die gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu gewährleisten und eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen. Geschlechtsspezifische Diskriminierungen von Menschen mit Behinderungen sind abzubauen und zu verhindern.

„Deutschland hat sich mit der Ratifikation der UN-Behindertenrechtskonvention dazu verpflichtet, Menschen mit Hörbehinderungen den gleichberechtigten Zugang zu Information und die Möglichkeiten zur barrierefreien Kommunikation zu gewährleisten (Artikel 9 und 30)“, betonen der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. und die Gehörlosengemeinschaft Sachsen-Anhalt e.V.

„Seit 1997 bietet die staatliche Hochschule Magdeburg-Stendal den Studiengang Gebärdensprachdolmetschen an, wodurch zahlreiche Studierende seitdem erlernen konnten, professionell zu dolmetschen. Es wäre für uns sehr wünschenswert, wenn der Verein ,Junge Humanisten Magdeburg e.V.‘ umdenken würde und GebärdensprachdolmetscherInnen zu den nächsten Jugendweihfeiern auf der Bühne zulässt.“

(RP/PM)

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