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Wirtschaft profitiert von Inklusion

Bildung & Berufsleben

Wirtschaft profitiert von Inklusion

In Frankfurt warb eine Veranstaltung für ein neues Denken und Handeln zugunsten von Menschen mit Behinderung.

 Das Event fand am 16. November 2018 in den Räumlichkeiten der IHK Frankfurt am Main, Börsenplatz 4, statt. (Foto: Jeannette Petri)

Das Event fand am 16. November 2018 in den Räumlichkeiten der IHK Frankfurt am Main, Börsenplatz 4, statt. (Foto: Jeannette Petri)

Am Freitag fand zum zweiten Mal die Veranstaltung „Personal. Fachkräfte. Diversity. – Inklusion in Ausbildung & Beruf“ in der IHK Frankfurt am Main statt, um Menschen mit Behinderung mit Unternehmen aus der Region zusammenzuführen. Angemeldet hatten sich 470 Personen – am Ende waren es mehr als 600 Teilnehmer*innen, darunter rund 200 Schüler*innen, die sich an den mehr als 30 Unternehmensständen über Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten informierten.

Jobsuchende Menschen mit Behinderung sowie Arbeitgeber mit entsprechenden Angeboten begegneten sich in persönlichen Gesprächen. Zusätzlich konnten Arbeitnehmer*innen ihre Lebensläufe in einer Galerie aufhängen und sich so auf ein Praktikum oder eine Festanstellung direkt bei den Unternehmen bewerben. Gastgeber der Veranstaltung waren die Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, die Stadt Frankfurt am Main, das Netzwerk Inklusion Deutschland e.V. und die Lust auf besser leben gGmbH.

„Viele Unternehmen stehen einer betrieblichen Ausbildung oder der Einstellung von Menschen mit Behinderung zwar offen gegenüber, jedoch fehlt es häufig an Ansprechpartnern und einer regionalen Vernetzung der Unterstützungsangebote für Unternehmen und Arbeitnehmer. Wir wollen mit der heutigen Veranstaltung zu einer Verbesserung beitragen“, sagte Karen Hoyndorf, stellvertretende Präsidentin der IHK Frankfurt am Main, bei der Eröffnung der Veranstaltung.

Speed-Dating für Schüler*innen, die Praktikum oder Ausbildung suchen, in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit und dem LWV Hessen ((Foto: Jeannette Petri)

Speed-Dating für Schüler*innen, die Praktikum oder Ausbildung suchen, in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit und dem LWV Hessen ((Foto: Jeannette Petri)

Fachkräftemangel – und dennoch keine Chancen für Behinderte?

„Bereits heute fehlen alleine im Bezirk der IHK Frankfurt am Main rund 71.000 Fachkräfte. Die Fachkräftelücke droht damit zum Bremsklotz für die regionale Wirtschaft zu werden. Angesichts des immensen Bedarfs an qualifizierten Arbeitskräften können wir es uns schlicht nicht leisten, potentielle Arbeitnehmer*innen nicht mit offenen Armen aufzunehmen“, so Hoyndorf.

Alle Möglichkeiten, Menschen für eine qualifizierte berufliche Tätigkeit zu gewinnen, müssten ausgeschöpft werden: „Maßnahmen im Bereich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die gesteuerte Zuwanderung ausländischer Fachkräfte und eben auch die Inklusion von Menschen mit Behinderungen sind wesentlich für die Unternehmen“, so Hoyndorf weiter.

Neben den persönlichen Gesprächen, bot die Veranstaltung noch eine Podiumsdiskussion, in der Erfahrungen aus der Praxis ausgetauscht wurden, sowie vier verschiedene Workshops zu Möglichkeiten und Herausforderungen bei der Beschäftigung von Arbeitnehmer*innen mit Behinderung, Good-Practice-Beispielen aus Betrieben, der Arbeitsplatzgestaltung und dem Umgang mit Autismus im Job.

Stellungnahmen, die zu Inklusion aufrufen

Pfarrer und Kabarettist mit Behinderung: Rainer Schmidt beim Vortrag. (Foto: Jeannette Petri)

Pfarrer und Kabarettist mit Behinderung: Rainer Schmidt beim Vortrag. (Foto: Jeannette Petri)

„Arbeitnehmer mit Behinderung bringen besondere Stärken ins Unternehmen ein“, sagte Stadträtin Prof. Dr. Daniela Birkenfeld. „Sie bringen ihre fachliche Qualifikation mit. Das Unternehmen kommt mit ihnen näher an neue Kundengruppen heran. Und zusätzlich tragen sie zur Stärkung der Teamkultur bei. Denn die Teammitglieder lernen durch die Erfahrung, insgesamt achtsamer miteinander umzugehen. Das wirkt sich positiv auf die Zusammenarbeit aus. Das alles macht die Unternehmen wettbewerbsstark und gibt den Menschen Perspektiven. Am Ende gewinnen alle! Auf dem Weg dorthin gibt es tatkräftige Unterstützung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch den Landeswohlfahrtsverband und den Integrationsfachdienst, deren Leistungen wir noch bekannter machen wollen.“

Personaldezernent Stefan Majer schloss sich an: „Es ist unser gemeinsamer, gesellschaftlicher Auftrag, Menschen mit Behinderung eine unabhängige Lebensführung und die uneingeschränkte Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen, gerade auch auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb haben wir uns verpflichtet in diesem Zusammenhang Vorbild zu sein. Mit einem Anteil von aktuell 11 Prozent aller Beschäftigten ist die Frankfurter Stadtverwaltung Arbeitgeberin von mehr als doppelt so vielen behinderten Menschen als in den Sozialgesetzen vorschrieben. Darauf sind wir sehr stolz. Denn hinter einer Integrationsquote von 11 Prozent verbergen sich Menschen mit ganz individuellen Fähigkeiten und Leistungen, die die Frankfurter Stadtverwaltung in vielfältiger Weise bereichern. Gegenseitige Achtung und Respekt sind Teil einer gelebten Inklusion bei der Stadt Frankfurt am Main.“

Alexandra von Winning, Geschäftsführerin von Lust auf besser leben gGmbH, ergänzte: „Inklusion funktioniert, wenn Wille, Mut, Haltung, Wissen und unterstützende Strukturen zusammenkommen. Zugegeben: Dies sind schwere Voraussetzungen, aber allemal lohnenswert. Es ist Zeit, alles zusammenzubringen.“

„Inklusion steht für Teilhabe. Wir schöpfen so viel für uns aus dem Job, den wir tun. Das gilt für Menschen mit Behinderung ebenso. Wir alle möchten sinnvoller Arbeit nachgehen. Wir sollten also möglich machen, was möglich ist: in Schule – im Job – der Freizeit – an Teilhabe: einfach Inklusion“, so Alexandra Cremer, Vorsitzende des Netzwerks Inklusion Deutschland e.V.

Oliver Schwebel, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Frankfurt, sieht die Chance bei den Unternehmen: „Unternehmen können über Inklusion in unterschiedlichen Bereichen profitieren. Sie bekommen häufig Mitarbeiter, die wissen, wie man mit Problemen umgeht und diese löst. Zusätzlich werden andere Mitarbeiter motiviert und in ihrer eigenen Verantwortung gestärkt.“

(RP/PM)

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