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Zwangsquarantäne für Risikogruppen?

Gesundheit & Medizin

Zwangsquarantäne für Risikogruppen?

Ein diskutiertes Maßnahmenpapier macht die Runde – für die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. ist das der falsche Weg.

Für die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. ist die häusliche Isolation von Risikogruppen der falsche Weg.

Für die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. ist die häusliche Isolation von Risikogruppen der falsche Lösung zur Eindämmung der Pandemie. (Foto: Shutterstock)

In den öffentlich-rechtlichen und privaten Medien macht ein diskutiertes Maßnahmenpapier der Bundespolitik die Runde, das vorsieht, sogenannte Risikogruppen wie ältere Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen und Menschen mit Störungen der Immunabwehr aus dem öffentlichen Leben zu entfernen, um der restlichen Bevölkerung ein weitestgehend „normales Leben“, wie es vor Ausbruch der Corona-Pandemie gelebt wurde, zu ermöglichen. Die Risikogruppen sollen laut Maßnahmenpapier über die Datensätze der Krankenkassen identifiziert und in Konsequenz aufgefordert werden, Zuhause zu bleiben und möglichst alle sozialen Kontakte zu vermeiden. Wenn sie der Aufforderung nicht folgeleisten, werden seuchenpolitische Maßnahmen angedacht, die zu einer Zwangsquarantäne der betroffenen Personengruppen führen können.

Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL) verwahrt sich strikt gegen solche Konzepte, die die Freiheits- und Selbstbestimmungsrechte von Menschen mit Behinderungen und chronischer Krankheit massiv beschneiden.

Eindämmung darf nicht zu Isolierung führen

„Die Eindämmung der Corona-Pandemie muss eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe bleiben und darf nicht zu einer Isolierung und Fremdbestimmung derjenigen Menschen führen, die ohnehin schon an den Rändern der Gesellschaft verortet sind,“ empört sich Alexander Ahrens, ISL-Geschäftsführer.

„Alle Gesellschaftsgruppen müssen gemeinsam Sorge tragen, durch Umsicht und die Einhaltung von Hygiene- und Social-Distancing-Maßnahmen, eine rasante Ausbreitung des Corona-Virus‘ so gut wie möglich zu unterbinden. Eine Isolierung von alten, behinderten und chronisch kranken Menschen darf hier keine Alternative sein, die Gesellschaft von ihrer gemeinsamen Verantwortung zu entbinden,“

appelliert Ahrens und mahnt: „Risikogruppen über einen unvorhersehbaren Zeitraum zur Isolation zu verdammen, ist in der Bekämpfung der Pandemie der völlig falsche Weg, da er diese Personengruppen nicht schützt, sondern nur ausgrenzt und sie in ihrem Alltagshandeln, wie Einkaufen, der Berufsausübung, der medizinischen und therapeutischen Versorgung und der Pflege sozialer Kontakte, massiv behindert und diskriminiert.“

Wege aus dieser Krise können nur darin bestehen, Risikogruppen und deren Bezugspersonen Zugang zu regelmäßigen Tests auf Covid-19 zu ermöglichen, Risikogruppen, sowie Fach-, Pflege und medizinisches Personal mit Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln zu versorgen, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren. Ausgrenzung, Isolation und das Absprechen der eigenen Selbstverantwortung von Risikogruppen dürfen in diesem Diskurs keinen Platz haben.

(RP/PM)

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1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Rollihuster

    5. Mai 2020 um 09:59

    Zitat: „Eindämmung darf nicht zur Isolierung führen.“

    Das ist ein Wunsch, der nicht immer realisierbar ist. Ich gehöre zu der Gruppe Gefährdeter, deren Immunabwehr und Lungenfunktion stark eingeschränkt ist. Infiziere ich mich, ist mein Leben in Gefahr. Nicht nur beim aktuellen Corona Virus, sondern bei jeder Art der Erkältung. Ich bin es gewohnt, mich die ganze Erkältungssaison vom gesellschaftlichen Leben fern zu halten. Sobald es sommerlich wird, war die Zeit meiner Selbstisolation vorbei. Ich konnte all das nachholen, was ich im Winter nicht tun konnte. Die Vorstellung jetzt zwei Jahre wie ein Eremit leben zu müssen, gefällt mir ganz und gar nicht. Doch mangels fehlender Impfstoffe bleibt mir nichts anderes übrig, als mich zu isolieren. Also übe ich mich in Geduld und versuche, trotz der Einsamkeit, meine Tage so abwechslungsreich wie möglich auszufüllen. Benachteiligt fühle ich mich dadurch aber nicht. Es ist eine Vernunftentscheidung und keine Pflicht.

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